Spitalsambulanzen am Kapazitätslimit
Spitalsärztechef warnt vor Personalengpässen – niedergelassene Versorgung ist auszubauen
Der Chef der Bundeskurie Angestellte Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Harald Mayer, fordert zur Entlastung der Krankenanstalten die „Redimensionierung der Spitalsambulanzen“. Dies sei in Anbetracht der explodierenden Ambulanzfrequenzen unausweichlich, andernfalls müsste das Spitalspersonal, allen voran das ärztliche, „deutlich“ aufgestockt werden, sagte Mayer Donnerstag in einer Aussendung.
Mayer: „Die Spitalsambulanzen sind mit ihren Kapazitäten am Limit, vor allem in den Abendstunden und an Sonn- und Feiertagen. Redimensionierung heißt Beschränkung der Ambulanztätigkeit auf das gesetzlich vorgeschriebene Ausmaß: die Notfalls- und Spezialversorgung. Es ist nicht ihr Auftrag, Versorgungsdefizite im niedergelassenen Bereich abzufedern und simple, alltägliche Erkrankungen zu behandeln.“
Die Ambulanzen seien ein wesentlicher Grund für die Überlastung der Spitalsärztinnen und -ärzte. Denn die heutigen Patientenfrequenzen seien bei früheren Personalbedarfsberechnungen nicht einkalkuliert worden. Eine Reorganisation des niedergelassenen Versorgungsbereiches in Richtung Ärztekooperationen mit einer Ausweitung der Ordinationszeiten und eine Verbesserung der Bereitschaftsdienste könnten die Spitalsambulanzen entlasten und Personal für die stationäre Versorgung frei machen. Durch diese Maßnahmen bekomme man auch „einen wesentlichen“ Kostenfaktor in den Griff. Passiere dies nicht, müsste laut dem Spitalsärztevertreter zwangsläufig das Spitalspersonal für die ambulante Betreuung aufgestockt werden.
Jährlich suchen die Österreicherinnen und Österreicher rund 16 Millionen Mal die heimischen Spitalsambulanzen auf, Tendenz steigend. Wurden 1997 knapp 5 Millionen ambulante Patienten behandelt, waren es zehn Jahre später bereits rund 7,5 Millionen. Das bedeutet eine Steigerung von mehr als 55 Prozent.
„Die Notfallaufnahmen werden auch von Nicht-Notfällen überrannt, die Priorisierung der Patientinnen und Patienten erfordert verstärkt personelle Ressourcen. Problematisch ist das Selbstverständnis, zu jeder Tages- und Nachtzeit in den Ambulanzen gratis alle Leistungen zu erhalten. Der erste Ansprechpartner im Krankheitsfall ist aber der jeweilige Hausarzt. Die Spitalsambulanzen dürfen nicht zum zweiten Wohnzimmer werden“, so Mayer.
ÖÄK, 2009-11-19
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