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Ärzte-Ausbildung: Bedarf langfristig nicht gedeckt

ÖÄK-Vize Mayer: Beibehaltung der Medizinerquote wichtiger Schritt – langfristig braucht es attraktivere Rahmenbedingungen und mehr Studienplätze

Die Zukunft der medizinischen Versorgung hänge zu einem nicht unwesentlichen Teil von der Qualität der medizinischen Ausbildung ab, sagte der Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und ÖÄK-Vizepräsident Harald Mayer am Freitag in einer Aussendung. „Demnächst läuft eine neue Evaluierungswelle zur Basisausbildung und Facharztausbildung an. Zuletzt hatte lediglich ein Drittel der Absolventen angegeben, in die Allgemeinmedizin gehen zu wollen. Das wird langfristig zu wenig sein", zeigte Mayer auf. Dass die Quote fürs Medizinstudium beibehalten werde, sei angesichts des Ärztemangels ausdrücklich zu begrüßen.

Ein Drittel der Absolventen geht verloren

Das Problem sei damit aber nicht aus der Welt: „Um den Bedarf langfristig zu decken, brauchen wir mehr Studienplätze sowie attraktivere Rahmenbedingungen, damit wir gut ausgebildete junge Menschen nicht verlieren", so Mayer weiter. Derzeit gebe es jährlich etwa 1.200 Absolventen des Medizinstudiums. Nicht alle gingen aber in die praktische Ausbildung. Viele kehrten in ihre Heimatländer zurück, einige würden überhaupt einen anderen Beruf ergreifen und auch immer mehr österreichische Absolventen werden von attraktiven Angeboten im Ausland angezogen. „Langfristig wird mit etwa einem Drittel der Absolventinnen und Absolventen gerechnet, das komplett verloren geht. Angesichts der bevorstehenden Pensionierungswelle ist das ein Alarmsignal", ergänzte Karlheinz Kornhäusl, stv. Bundeskurienobmann und Obmann der Bundessektion Turnusärzte.

Die im Jahr 2015 beschlossene Ausbildungsreform sei ein wichtiger Schritt gewesen, betonten Mayer und Kornhäusl. Nun müssten die Einzelaspekte so umgesetzt werden, dass die Ausbildung langfristig noch an Qualität zulege. „Wir müssen auch darauf schauen, dass wir jene Punkte verbessern, die in einer ersten Evaluierung der Basisausbildung als kritisch wahrgenommen wurden. Das heißt unter anderem: weniger Systemerhaltertätigkeiten, Entlastung von Administration und Bürokratie, mehr Bedside-Teaching", zählte Kornhäusl auf.

Lehrpraxis Finanzierung sichern

Auch die gesicherte Finanzierung der verpflichtenden Lehrpraxis sei wichtig, wenn man einerseits einen eklatanten Mangel an Allgemeinmedizinern verhindern und andererseits motivierte Ärztinnen und Ärzte im Land halten wolle. Kornhäusl: „Nur in der Lehrpraxis können angehende Allgemeinmediziner sämtliche Facetten des Ordinationsalltages kennenlernen." Die noch immer unklare Finanzierung könne dazu führen, dass grundsätzlich Interessierte sich von der Allgemeinmedizin wieder abwenden, falls der Platz in einer Lehrpraxis unsicher oder gar nicht vorhanden ist. „Man darf sich dann auch nicht wundern, dass gut zwei Drittel der Kolleginnen und Kollegen aktuell nach der Basisausbildung lieber eine fachärztliche Ausbildung beginnen, als in die Allgemeinmedizin zu wechseln", so Kornhäusl weiter.

In Summe sei ein umfassendes Maßnahmenpaket notwendig, um die Abwanderung gut ausgebildeter Ärztinnen und Ärzte zu stoppen. „Das beginnt bei einer qualitativ hochwertigen Ausbildung und endet bei attraktiven Arbeitsbedingungen", fasste Bundeskurienobmann Mayer zusammen. Schließlich müsse man sich die Frage stellen, wer langfristig die medizinische Versorgung im Land übernehmen solle.

19.05.2017