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Arzt-Wartezeiten sind Folge von unnötigen Beschränkungen durch Krankenkassen

ÖÄK-Steinhart: Patientenanwalt soll Missstände bekämpfen und nicht Ärzten zum wiederholten Male den Schwarzen Peter zuschieben

„Für lange Wartezeiten auf einen Termin bei Kassenärztinnen und -ärzten sind in allererster Linie die von den Sozialversicherungen gewünschten Deckelungen ärztlicher Leistungen verantwortlich", so Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte der Österreichischen Ärztekammer, in einer ersten Reaktion auf einen in der Tageszeitung Kurier veröffentlichten Artikel mit Patientenanwalt Gerald Bachinger. „Der Um- und Missstand, dass die Kassen dem Arzt nur eine bestimmte Anzahl von Leistungen honorieren, und zwar unabhängig vom realen Bedarf der Patienten, gehört ersatzlos abgeschafft."

Dem Sprecher der Patientenanwälte seien diese Bestrebungen der Kassen, aus Kostengründen einen künstlichen Flaschenhals herzustellen, sehr wohl bekannt. Es sei deshalb umso bedauerlicher, dass er hier keine seriöse Ursachenforschung betreibt und brauchbare Lösungen anbietet, sondern den Schwarzen Peter einmal mehr den Ärzten zuschiebt, so Steinhart.

So wurde im März 2017 wegen der medizinisch unzumutbaren Wartezeiten auf einen MRT- oder CT-Termin die Aufhebung der Deckelungen für diese Untersuchungen beschlossen. „Und was tut zum Beispiel die Wiener Gebietskrankenkasse? Sie führt per 1. Juni 2017 die Chefarztpflicht für CT und MRT wieder ein", bemängelt Steinhart. „Eine sinnlose bürokratische Schikane, die wohl einzig dem Zweck der Zugangsbegrenzung zu solchen Untersuchungen führt: Eine Deckelung NEU also. Dazu waren kritische Worte des Patientenanwalts wie gewohnt nicht zu vernehmen."

„Weg mit der Deckelung", wiederholt Steinhart eine Forderung der Ärztekammer. „Maßstab für die Honorierung von Untersuchungen und Behandlungen durch die Kassen kann einzig der Patientenbedarf sein, und nicht eine Rationierungs-Vorgabe von Kassenbürokraten."

Auch der Hinweis des Patientenanwaltes, dass es in Österreich mit seiner angeblich international höchsten Ärztedichte keine langen Wartezeiten auf einen Arzttermin geben dürfe, geht ins Leere, kritisiert Steinhart. Viele Ärzte haben dem öffentlichen Gesundheitswesen aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen und überbordender Bürokratie schlichtweg den Rücken gekehrt. Es liege in der Verantwortung der Gesundheitspolitik, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Arztberuf wieder attraktiv machen damit die für eine ausreichende niedergelassene Ärzteversorgung erforderlichen 1.300 zusätzlichen Kassenarztstellen auch besetzt werden können. „Es wäre schön, wenn Patientenanwalt Bachinger solche Forderungen unterstützen würde. Dann würde der „Anwalt der Patienten" diesem Titel auch gerecht." (bk/mh)