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ÖÄK-Steinhart zum neuen PHC in Wien: Niedergelassene Versorgung braucht Angebotsvielfalt

1.300 zusätzliche Kassenarztstellen unumgänglich

„Das heute vorgestellte Versorgungszentrum im 22. Wiener Bezirk trägt zur Vielfalt der niedergelassenen Versorgung bei, und die erklärte Bereitschaft der Frau Gesundheitsministerin, den niedergelassenen Ärztebereich auszubauen, ist zu begrüßen und greift eine langjährige Forderung der Ärztekammer auf", so Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer.

Primärversorgungseinheiten seien, sofern dort Ärzte die medizinische und wirtschaftliche Letztentscheidung haben, eine sinnvolle zusätzliche Angebotsvariante in der niedergelassenen Versorgung, die ihren Stellenwert habe und auch haben sollte. „Nimmt man die Bedürfnisse von Patienten und Ärzten zum Maßstab, so ist eine möglichst breite Angebotsvielfalt zu fordern", so Steinhart. Aus der bisher größten, aktuellen Umfrage unter Medizinstudierenden und Turnusärzten in Österreich sei bekannt, dass deren Wünsche und Vorstellungen von einer Tätigkeit als niedergelassener Arzt sehr unterschiedlich sind. „Die Arbeit in Gemeinschaftspraxen und multiprofessionellen Teams ist beim medizinischen Nachwuchs positiv besetzt, aber immerhin jeder Zweite würde ‚am liebsten selbstständig in einer Einzelpraxis arbeiten‘", zitiert Steinhart aus der Studie der Medizinischen Universität Graz. „Also keine Rede davon, dass Einzelpraxen ein ‚Auslaufmodell‘ seien, wie es gelegentlich von Befürwortern von Versorgungszentren unterstellt wird."

Seitens der Patienten äußerten in Befragungen 95 Prozent ihre Zufriedenheit mit den in herkömmlichen Kassenarztpraxen gebotenen Leistungen. Es sollte also, so Steinhart, keine Politik gegen die Bedürfnisse der Bevölkerung gemacht werden, „und gerade in Zeiten des Ärztemangels würde sich auch eine Politik gegen die Vorstellungen der künftigen Medizinergeneration fatal auswirken, weil dann noch weniger Ärzte als niedergelassene Kassenärzten arbeiten werden".

Ohne zusätzliche 1.300 Kassenarztpraxen für Österreich und attraktivere Rahmenbedingungen der kassenärztlichen Tätigkeit werde der steigende medizinische Versorgungsbedarf einer größer und älter werdenden Bevölkerung nicht zu bewältigen sein, wenn die Spitäler wirksam entlastet werden sollen, sagt Steinhart. „Nicht zuletzt müssen die Honorare insbesondere in den unterdotierten Fächern zügig angepasst werden."

Mit der Umsetzung dieser Forderungen der Ärztevertretung entspräche die Gesundheitspolitik sogar den Empfehlungen der - nicht unumstrittenen - vom Sozialministerium beauftragten Studie der London School of Economics, die ausdrücklich zur Entlastung der Spitäler einen Ausbau des niedergelassenen Bereichs befürwortet, so Steinhart. (bk/mh)