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PK Gesundheitsreform: Wohnortnahe Versorgung ausbauen, auf Best-Practice-Beispiele setzen

ÖÄK-Wechselberger: Politik setzt den Sparstift an anstatt zu investieren

Die Entwicklungen im gesundheitspolitischen Bereich zeigten, dass trotz eklatanter Versorgungsengpässe der Sparstift angesetzt werde, kritisierte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. „Gangbetten in den Spitälern, überlaufene Ambulanzen, unbezahlte Überstunden bei den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen sind nur einige Indikatoren dafür, was passiert, wenn das Gesundheitssystem chronisch unterfinanziert ist", zeigte Wechselberger auf. Dazu kämen immer länger werdende Wartezeiten sowie ein Übermaß an Bürokratie und Administration. Gleichzeitig würden demographische Entwicklung, medizinischer Fortschritt und die Zunahme chronischer Krankheiten das Gesundheitswesen vor neue Herausforderungen stellen. „Ein Mehr an finanziellen Mitteln wird unausweichlich sein", hielt Wechselberger fest.

Die Gesundheitsreform setze hingegen den Sparstift an. Der ÖÄK-Präsident: „Den Menschen wird vorgegaukelt, dass sie trotz schrumpfender finanzieller Mittel dieselbe, ja, eine bessere Gesundheitsversorgung bekommen werden. Das ist schlicht und einfach nicht wahr." Wechselberger verwies darauf, dass Kassenärzte ohne zusätzliche Privatleistungen längst nicht mehr kostendeckend arbeiten würden und sich die Krankenkassen auf Kosten der Vertragsärzte sanierten.

Im Zuge der Pressekonferenz wiederholte der ÖÄK-Präsident die Kernforderungen der ÖÄK- Informationskampagne „Gesundheit! Weniger ist NICHT mehr": keine weiteren Einsparungen; breites wohnortnahes Angebot und individuelle Wahlmöglichkeiten; das, was im Gesundheitssystem gut funktioniert, ausbauen und weiterentwickeln. Jede Forderung untermauerte Wechselberger mit einem Beispiel. So verwies er darauf, dass die von der Politik angekündigten 200 Millionen Euro für die Primärversorgung kein frisches Geld seien. „Zudem steht in der Artikel 15a-Vereinbarung, dass lediglich angestrebt werden soll, diese Summe bis 2020 zweckzuwidmen. Weder handelt es sich um zusätzliches Geld noch um eine garantierte Finanzierung", kritisierte der oberste Ärztechef. Stattdessen gebe die Politik Geld für eine umstrittene Effizienzstudie aus.

Auch die wohnortnahe Versorgung sei ein wunder Punkt. „Wir wissen aus einer Befragung, dass die Wohnortnähe für die Bevölkerung enorm wichtig ist. Der Hausarzt ist für einen Großteil der Menschen in Österreich nach wie vor die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen", führte Wechselberger aus. Die geplanten Einsparungen und Leistungskürzungen würden von der Bevölkerung negativ gewertet. Die Menschen seien nicht gewillt, eine Verknappung des Angebots, noch längere Wartezeiten und Leistungseinschränkungen hinzunehmen.

Einmal mehr bekannte sich Wechselberger zur Primärversorgung, verwies dabei aber auf bestehende Best-Practice-Beispiele. „In der Steiermark und im Burgenland haben sich niedergelassene Ärzte auf Eigeninitiative hin vernetzt, um ihre Patienten rasch, niederschwellig und umfassend betreuen zu können. Wenn man solche Initiativen unterstützt, lässt sich die Primärversorgung schnell und unbürokratisch verbessern, angepasst an die jeweiligen regionalen Bedürfnisse", so der ÖÄK-Präsident, der abschließend mehr Kassenverträge, kostendeckende Honorare sowie Kassenverträge für nicht-ärztliche Gesundheitsberufe forderte. (slv)

15.02.2017

 

Presseunterlage

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Fotos zum Download

Fotohinweis: ÖÄK/Bernhard Noll

 

O-Töne (mp3)

"Was sind die grundlegenden Punkte der Informationskampagne?" (1MB)

"Wovor warnt die ÖAK?" (1.3MB)

"Was kritisieren Sie an der 15a-Vereinbarung?" (1.3MB)

"Welche Kritikpunkte gibt es hinsichtlich der Einsparungen der Sozialversicherungen?" (880.4KB)

"Wie steht es um die Entwicklung von Primärversorgungseinheiten?" (939.5KB)

"Wie steht die ÖAK zu den geplanten Versorgungszentren?" (1.2MB)

"Wie lauten die Forderungen der ÖAK?" (586.9KB)

"Was muss unbedingt verhindert werden?" (1MB)

"Wie muss eine wohnortnahe Versorgung gestaltet werden?" (1.1MB)


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