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IN FUSION: Gesundheitsexperten diskutieren über die 24 Stunden Ambulanz

Einheitlicher Tenor: Selbstzuweisungen und ungesteuerter Zugang größte Herausforderungen

Die 24 Stunden Ambulanz, ihre Aufgaben und Probleme sowie Erfahrungswerte aus der Praxis standen heute im Mittelpunkt der zweiten Auflage der IN FUSION in den Wiener Sofiensälen. Zum zweiten Mal setzte sich die Veranstaltung der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) mit den Herausforderungen im Spitals- und Gesundheitswesen auseinander. Unter dem Titel „24 Stunden Ambulanz. Wer macht's? Wer zahlt's? Wer braucht's?" hielten führende Vertreter des österreichischen Gesundheitssystems Impulsvorträge und diskutierten im Anschluss den Stellenwert der Spitalsambulanzen.

Einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass der Arbeitsalltag in einer Ambulanz mit großen Schwierigkeiten verbunden ist. „Immer längere Wartezeiten für Patientinnen und Patienten, Selbstzuweisungen rund um die Uhr, eine unklare Finanzierung, Arbeitsverdichtung und Bürokratie sind aktuell die größten Stolpersteine", fasst Gastgeber Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte und ÖÄK-Vizepräsident, zusammen. Die Politik sei gefordert, das Thema ganzheitlich anzugehen und Strukturen zu schaffen, die den Patienten durch das System führen und Patientenströme regeln.

Auf den aktuell in Begutachtung befindlichen Entwurf des Primärversorgungsgesetzes nahm in seinem Begrüßungsstatement ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger Bezug: „Wir haben seit Jahren betont, dass es Verbesserungen in der Primärversorgung geben müsse. Wir brauchen Strukturen, die auch für Ärztinnen und Ärzte attraktiv sind und von diesen angenommen werden." Österreich sei ein Land, in dem sehr viele Menschen stationär behandelt werden. 2,7 Millionen Österreicherinnen und Österreicher liegen statistisch gesehen mindestens ein Mal im Jahr in einem Krankenhausbett. „Das ist Weltrekord", so Wechselberger.

Auch Thomas Szekeres, Präsident der Ärztekammer für Wien, betonte in seinen Begrüßungsworten: „Wir brauchen jetzt und rasch eine Entlastung der Spitäler durch einen Ausbau des wohnortnahen Angebots im niedergelassenen Bereich – und das im Konsens mit der Ärzteschaft. Schließlich müssen wir auch an das Thema Ausbildung denken: Ohne ärztlichen Nachwuchs wird das System – selbst wenn es ausgebaut wird – ebenfalls nicht funktionieren."

Laut Harald Mayer bedürfe es einer Informations- und Aufklärungsarbeit. Es ginge zwar um die Erfüllung des Versorgungsauftrags, allerdings gäbe es kein Recht des ungesteuerten Zugangs. „Nach den gesetzlichen Grundlagen hätte die Spitalsambulanz bei Weitem nicht die Aufgaben, die sie heute erfüllt. Das liegt daran, dass die Leistungen in den Spitälern pauschaliert sind und es damit für die Sozialversicherung günstiger ist als im niedergelassenen Bereich. Patienten kommen vermehrt mit Dingen in die Spitalsambulanzen, die eigentlich keiner spitalsambulanten Betreuung bedürfen", so Mayer.

Einen rechtlichen Einblick in die ambulante Versorgung gab ÖÄK-Juristin Andrea Bramböck: „Der ambulanten Gesundheitsversorgung kommt immer größere Bedeutung zu. Um auch in Zukunft ein modernes, effizientes und nachhaltiges Gesundheitssystem sicherstellen zu können, wurde das österreichische Gesundheitswesen wieder einmal einer Gesundheitsreform unterzogen." Aus juristischer Perspektive stelle dies eine spannende Aufgabe dar, handle es sich doch bei dem Gesundheitsbereich um eine Querschnittsmaterie mit unterschiedlichen Kompetenzen, Strukturen und Finanziers, die letztendlich zu Über- und Unterversorgungen, Parallelstrukturen und Problemen an den Schnittstellen führen.

Laut Michael Heinisch, Geschäftsführer und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Vinzenz Gruppe, seien Spitalsambulanzen für die Österreicherinnen und Österreicher nach wie vor eine beliebte Eintrittspforte in das Gesundheitswesen. Seit Jahren steige die Inanspruchnahme von Ambulanzen ungebrochen. Dies führe auch zu einer entsprechenden Kostenentwicklung, wobei sich hinsichtlich der Finanzierung der Spitalsambulanzen eine zunehmende Schere ergibt. „Vor diesem Hintergrund müssen innovative Versorgungsmodelle auch außerhalb der Krankenhäuser die umfassende Erstversorgung der Patienten sicherstellen und damit akut-stationäre Strukturen entlasten", so Heinisch.

Anregungen aus der deutschen Versorgungspraxis gab Franz Harnoncourt, Geschäftsführer der Malteser Deutschland GmbH für den Bereich Medizin und Pflege: „Für die ambulante Versorgung sind die rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend, sie beeinflussen die Leistungserbringung. Die Anregungen und praktischen Erfahrungen aus anderen Gesundheitssystemen sollten auf ihre Übertragbarkeit auf die österreichischen Gegebenheiten überprüft werden." (bs)

28.04.2017

 

 

 


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