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ÖÄK-Steinhart: „Ja" zu schlanken Kassen-Strukturen, aber „Nein" zu einer Reform um der Reform willen

Unterschiedliche Versorgungsprioritäten in urbanen beziehungsweise ländlichen Bereichen verlangen dezentrale Entscheidungsstrukturen bei Krankenkassen

Einer möglichen Zentralisierung der Sozialversicherungen auf Kosten regionaler Versorgungs-Bedürfnisse erteilt Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, eine klare Absage. „Auch in der Gesundheitsversorgung gilt: Besonderheiten der Regionen und Bundesländer müssen im Vordergrund stehen und weiterhin berücksichtigt werden. Ein Krankenkassen-Monolith, der für ganz Österreich bestimmt, welche Leistungen die Kassen bezahlen und welche nicht, wäre ein deutlicher Rückschritt gegenüber der jetzigen Situation", gibt Steinhart anlässlich der Diskussion über eine Zusammenlegung der Krankenkassen im Rahmen der aktuell laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ zu bedenken.

Es gäbe nun einmal in größeren Städten andere gesundheitspolitische Gegebenheiten und Versorgungs-Prioritäten als zum Beispiel in abgelegeneren ländlichen Regionen. Eine zentralistisch organisierte Kasse, die alles über einen Kamm schert, würde solchen Unterschieden nicht gerecht werden können, so Steinhart: „Wir brauchen schlanke und effiziente Kassen-Strukturen, die sicherstellen, dass das Versicherten-Geld auch dort ankommt, wo es gebraucht wird. Deshalb sollte gewährleistet sein, dass Fragen der Kassenleistungen auch weiterhin auf Bundesländer-Ebene mit den dortigen Krankenkassen verhandelt werden."

Sichergestellt werden müsse darüber hinaus, dass künftig grundsätzlich mehr Geld in das Gesundheitssystem fließt. Deutschland, nennt Steinhart ein Beispiel, gibt derzeit über elf Prozent vom BIP für Gesundheit aus, und damit deutlich mehr als Österreich.  Steinhart: „Unsere Gesellschaft wächst und wird älter, im Alter steigt der Betreuungsbedarf und moderne Therapien kosten Geld. Ein wohlhabendes Land wie Österreich muss sich daher eine Gesundheitsversorgung, die sich am Bedarf der Menschen und nicht an ökonomischen Berechnungen orientiert, leisten können." Schlankere Verwaltungsstrukturen und niedrigere Organisationskosten bei den Sozialversicherungen seien kein politisches Tabu, so Steinhart abschließend, „aber bitte keine Veränderungen zu Lasten der Patienten und keine Reform bloß um der Reform willen."

 


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