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Nichtraucherschutz im internationalen Vergleich

Der Schutz von Nichtrauchern wird weltweit sehr unterschiedlich geregelt. Obwohl den Regierungen die gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Rauchens und die dadurch entstehenden Kosten für das Gesundheitssystem durchaus bewusst sind, so sehen nicht alle Machthabenden die Notwendigkeit zum Schutz ihrer Bevölkerung. Laut WHO stirbt knapp die Hälfte aller Raucher weltweit an den Folgen des Rauchens. Jährlich sterben so mehr als fünf Millionen Menschen an den direkten Auswirkungen des Tabakkonsums. Weitere 600.000 sterben infolge des Passiv-Rauchens.

80 Prozent aller Raucher leben in Ländern mit geringen oder mittleren Einkommen. Doch auch in Regionen mit höheren Einkommen wie in Europa stellt das Rauchen das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko dar. 28 Prozent der europäischen Bevölkerung rauchen, in der Altersgruppe von 15-24 Jahren sind es sogar 29 Prozent. 16 Prozent aller Todesfälle bei Personen über 30 Jahren in der WHO Region Europa sind auf das Rauchen zurückzuführen.

Raucherparadies Europa?

Bis vor einigen Jahren gab es europaweit kaum Beschränkungen für Raucher. Erst seit circa zehn Jahren findet ein schrittweises Umdenken statt, das auch die politischen Entscheidungsträger in Zugzwang brachte. Es wurden mehr oder weniger wirksame Nichtraucherschutz-Gesetze aus dem Boden gestampft und novelliert. Zu einer nachträglichen Lockerung kam es in keinem Land mehr. Im OECD-Vergleich zeigt sich in fast allen 34 Mitgliedsländern ein Rückgang der Raucher seit 2000, lediglich in Österreich, Lettland, Indonesien und Griechenland stieg die Zahl weiter an. Im OECD-Durchschnitt rauchen 2013 20 Prozent der Bevölkerung. In Griechenland gab es mit 39 Prozent fast doppelt so viele Raucher, die skandinavischen Länder lagen hingegen alle unter 16 Prozent-Marke.

Österreich

Österreich schneidet im OECD-Vergleich eher schlecht ab und befindet sich im unteren Drittel, wenn es um die Eindämmung des Risikofaktors Rauchen geht. Der Nichtraucherschutz ist ein Thema, das seit Jahren regelmäßig auf der politischen Tagesordnung erscheint. Im Jahr 2009 wurde der Nichtraucherschutz im Tabakgesetz verankert und somit das Rauchen an öffentlichen Orten verboten. Mittels diametraler Maßnahmen für die Gastronomie versuchte man beide Seiten (Raucher und Nichtraucher) zufriedenzustellen, bis man sich schließlich auf ein generelles Rauchverbot ab 2018 einigen konnte.

Frankreich

Seit 2008 gilt in Frankreich in öffentlichen Räumen und in der Gastronomie ein generelles Rauchverbot. Zusätzlich wurde im April 2015 das Rauchen in Autos verboten, wenn Personen unter 18 Jahren mitfahren. Ab 2016 soll es nur noch neutrale Zigarettenpackungen mit einem kleinen Markennamen geben, und der Verkauf von Tabakwaren in der Nähe von Schulen wird verboten.

Irland

In Irland gilt bereits seit 2004 ein generelles Rauchverbot in geschlossenen öffentlichen Räumen und an allen Arbeitsplätzen, also auch in der gesamten Gastronomie. Damit war es das erste Land weltweit, dass ein rigoroses Rauchverbot umsetzte. Das Gesetz wurde gemeinsam mit einer Nichtraucherkampagne und Förderungsmaßnahmen für Raucher, die aufhören möchten, umgesetzt. Zwischen 2004 und 2013 konnte so der Anteil der rauchenden Bevölkerung von 27 Prozent auf 21,5 Prozent gesenkt werden.

Griechenland

Griechenland hat statistisch gesehen die meisten Raucher in Europa. Seit September 2010 gilt in Krankenhäusern, öffentlichen Gebäuden, Büros, im Transportwesen sowie in der Gastronomie absolutes Rauchverbot. Allerdings wird dieses, vor allem in Restaurants und Lokalen, oft ignoriert.

Mazedonien

Ein Beispiel dafür wie ein Rauchverbot auch die gegenteilige Wirkung haben kann, bietet Mazedonien. Der Gesetzgeber untersagte das Rauchen in öffentlichen Gebäuden, Büros und in der Gastronomie. Um eine Umgehung des Gesetzes unrentabel zu machen, wurden zwar Raucherräume ohne weitere Auflagen gestattet, doch in diesen war kein Service erlaubt. So erhöhten die Gastronomen die Preise für die Gasträume mit Service und deklarierten die Raucherräume als Selbstbedienungsbereiche mit günstigeren Preisen. Das führte dazu, dass die Raucherräume nun immer voll sind, während die Nichtraucherbereiche leer bleiben und zahlreiche Mitarbeiter der Gastronomie ihren Job verloren.

Schweden

Schweden belegt im OECD-Vergleich den ersten Platz, wenn es um den Schutz von Nichtrauchern geht. Immerhin gilt bereits seit 2005 ein Rauchverbot in allen öffentlichen Einrichtungen und der Gastronomie. Separate Raucherräume sind zwar zugelassen, dort dürfen jedoch keine Speisen oder Getränke konsumiert werden. Lediglich 10,7% aller Personen über 15 Jahren rauchten 2013 täglich.


Rauchernationen weltweit

China

In China rauchen 300 Millionen Menschen. Im vergangenen Jahr sollen 1,36 Millionen Chinesen an den Folgen des Rauchens gestorben sein. Sollte sich dieser erschreckende Trend so fortsetzen, prognostiziert das Fachmagazin Lancet für 2030 zwei Millionen Tote und damit den raucherbedingten Tod von einem Drittel aller jungen Männer. Einen ersten Gegenschritt setzte die Regierung in Peking, die seit Juni 2015 Schüler als „Raucher-Polizisten" einsetzt. Diese sollen mit drei Handzeichen Erwachsene vom Rauchen abhalten. Zudem wurde die Tabaksteuer von fünf auf elf Prozent erhöht und der Zigarettenverkauf an Jugendliche verboten.

Russland

In Russland rauchen laut Schätzungen 44 Millionen Menschen, das sind mehr als ein Drittel aller Erwachsenen. Rund 400.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen. Mittels neuer Gesetze möchte man die Zahl der Raucher bis 2020 um 25 Prozent senken. So wurde 2013 ein Anti-Tabak-Gesetz beschlossen, dass das Rauchen in Schulen, Universitäten, Kultur- und Sportstätten, Badestränden, Stadien, Kinderspielplätzen, Staatseinrichtungen, Tankstellen und in Krankenhäusern streng verbietet. In einem zweiten Schritt wurde das Rauchen 2014 auch in der Gastronomie und Hotellerie untersagt und jegliche Form der Tabakwerbung verboten.

USA

Obwohl die Zahl der Raucher in den USA von 17,8 Prozent (42.1 Millionen Menschen) 2013 auf 15,2 Prozent 2015 sankt, belegen die USA nach China und Russland weltweit den dritten Platz der rauchenden Nationen. Der Nichtraucherschutz wird dezentral von den einzelnen Bundesstaaten und kommunal geregelt. Immerhin 30 Bundesstaaten haben bereits Rauchverbote mit unterschiedlichem Umfang verabschiedet.


Maßnahmen

Auf nationaler Ebene werden verschiedenste Aktionen zum Schutz von Nichtrauchern gesetzt. Neben Altersbeschränkungen für den Zigarettenkauf, Werbeverboten für Tabakprodukte und Rauchverboten an öffentlichen Orten, werden oft Tabaksteuern als Gegenmaßnahme genutzt. Erfolgreiche Schutzmaßnahmen zeichneten sich durch die Kombination von staatlichen Restriktionen wie Rauchverboten und von öffentlichkeitswirksamen Kampagnen, um Raucher zu informieren und zum Umdenken zu bewegen, aus.

Den Nichtraucherschutz überstaatlich wirksam umzusetzen ist kaum möglich, da es dazu eine legislative Kraft mit multinationalen Befugnissen erfordern würde. Einzig die Europäische Kommission kommt dem nahe und erließ 2014 eine neue Richtlinie für Tabakerzeugnisse, die neben großen Warnhinweisen auf Tabakerzeugnissen auch die Tabakwerbung verurteilte. Diese Richtlinie muss innerhalb der vorgegebenen Frist bis zum 28. März 2016 in nationales Recht übergeleitet werden. Die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten haben sich zudem zur Einhaltung des WHO-Rahmenübereinkommens zur Eindämmung des Tabakkonsums verpflichtet. Das Übereinkommen stellt den ersten Vertrag zur Gesundheitsförderung dar, der im Rahmen der WHO ausverhandelt wurde. Er befasst sich mit gesundheitlichen Aspekten, aber auch mit dem Problem von Zigarettenschmuggel und -fälschungen. Die Vereinbarung trat 2005 in Kraft und wurde mittlerweile von 180 Vertragsparteien unterzeichnet.


Initiativen und Organisationen

Zusätzlich gibt es zahlreiche Initiativen und Kampagnen die den weltweiten Nichtraucherschutz fördern. So wie die Ex-Smoker-Kampagne der Europäischen Kommission, die ehemalige Raucher in ihrer Entscheidung, das Rauchen aufzugeben, bestärken soll und diejenigen, die gerne aufhören wollen, unterstützen.

Der Nichtraucherschutz spielt auch für viele ärztliche Organisationen eine große Rolle. Ist es doch deren Anliegen, die Gesundheit der Bevölkerung zu erhalten und zu fördern. Auf internationaler Ebene setzen sich ärztliche Vereinigungen und Gesundheitsorganisationen wie die WHO verstärkt mit diesem Thema auseinander.
Der CPME (Ständiger Ausschuss der europäischen Ärzte) empfiehlt bereits 1992 in der Erklärung zum Rauchen der europäischen Kommission und den EU-Mitgliedsländern den Nichtraucherschutz schnellstmöglich auszubauen und bestehende Regelungen der EU in nationale Gesetze einzubauen. Zusätzlich sollen Ärzte zur Prävention, Raucherentwöhnung und zum Schutz von Nichtrauchern aktiv beitragen.
Der (WMA) Weltärztebund unterstützt das WHO-Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums und gibt vierzehn Empfehlungen für Ärzte und Ärzteorganisation zur Bekämpfung des Rauchens heraus. Er rat u.a. eine klare Anti-Raucher Position einzunehmen, um so die nationalen Regierungen zum Handeln zu bewegen und Informationsprogramme zu starten, um über die negativen Auswirkungen des Rauchens aufzuklären.
Die UEMO (Europäische Vereinigung der Ärzte für Allgemeinmedizin) setzt sich in zahlreichen Papers und Erklärungen für mehr Information über Tabakprodukte und die Einschränkung der Tabakwerbung ein.

Der größte Player im internationalen Nichtraucherschutz ist mit Sicherheit die WHO, die neben oben genannten Rahmenübereinkommen, Kampagnen wie die Tobacco Free Initiative und den Weltnichtrauchertag initiiert hat. Der Weltnichtrauchertag wurde zum ersten Mal am 31. Mai 1987 ausgerufen, um auf die Gefahren des Rauchens aufmerksam zu machen. Seitdem findet er jedes Jahr am 31. Mai statt und wird von zahlreichen Veranstaltungen weltweit begleitet.

Auf nationaler Ebene wird diese Politik von den Ärztekammern weitergetragen. So setzt sich die Österreichische Ärztekammer schon lange für den Schutz von Nichtrauchern ein. Neben der Forderung nach einem generellen Rauchverbot, werden regelmäßig Preise und Zertifikate an Unternehmen vergeben, die den Nichtraucherschutz in besonderer Weise fördern.

 

Quellen: OECD, Europäische Kommission, Lancet, WHO, BMG, UEMO, CPME, WMA, Die Zeit, Die Welt, Tobacco Atlas, Parlament.

 

Weitere Informationen

Europäische Kommission: Tabak: http://ec.europa.eu/health/tobacco/policy/index_en.htm

Europäische Kommission: Ex-Smokers: http://exsmokers.eu/de-de/index.html

OECD Health at a glance 2015: http://www.oecd-ilibrary.org/social-issues-migration-health/health-at-a-glance-2015_health_glance-2015-en

BMG: Österreichische Gesundheitsbefragung 2014: http://www.bmg.gv.at/cms/home/attachments/6/7/4/CH1464/CMS1447240377989/gesundheitsbefragung_2014.pdf

Lancet – Contrasting male and female trends in tobacco-attributed mortality in China: evidence from successive nationwide prospective cohort studies: http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(15)00340-2/abstract

WHO Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakkonsums: http://www.who.int/fctc/en/