Daten und Zahlen Daten und Zahlen

Wenn Ärzte führen

Meistens werden Spitäler von mehreren Verantwortlichen kollegial gemanagt. Studien sehen Vorteile, wenn Ärzte als Erste unter Gleichen die Letztentscheidung haben.

In Zeiten von Ärztemangel und neuer Arbeitszeitreglung stellt sich die Frage nach einem möglichst effektiven Management von Gesundheitsbetrieben.  In Österreich sind Krankenhäuser größtenteils unter kollegialer Führung, werden also von hauptberuflichen Managern – das sind die Direktoren für Verwaltung, Pflege und Ärzte geleitet. Dass es auch anders geht, belegen zwei Studien von McKinsey aus den Jahren 2009 und 2010 eindrucksvoll.  Sie beschrieben die positiven Auswirkungen von ärztlicher Führung.

 

James Mountford/Caroline Webb, When clinicians lead, Februar 2009, McKinsey

Die Autoren gehen davon aus, dass Gesundheitssysteme in westlichen Ländern vor enormen Herausforderungen stehen und dass diese Herausforderungen nur mit entsprechender Führung seitens der (Spitals)Ärzteschaft gemeistert werden können. Spitalsärzte, so die Begründung der Autoren, würden wichtige Entscheidungen treffen, die sich auf die Qualität und Effizienz der Versorgung auswirken; sie hätten zudem das technische Wissen, um strategische Entscheidungen zu fällen. Derzeit würden jedoch Behandlung und Management strikt voneinander getrennt, was nicht unbedingt von Vorteil sei. Als Beispiel dafür, wie positiv sich ärztliche Führung auswirken kann, wird die Veterans Health Administration der USA genannt. Diese schrieb Mitte der 1990er Jahre so schlechte Zahlen, dass sie kurz vor der Schließung stand. Ein Arzt übernahm die Leitung und strukturierte die zum US-Department of Veterans Affairs gehörige Abteilung komplett um. Die klinische Qualität stieg dramatisch an, das Sterberisiko bei über 65-jährigen Männern lag 40 Prozent unter dem US-Durchschnitt. Die Patientenzufriedenheit stieg auf 83 Prozent (12 Prozent über dem Durchschnitt).

Die Autoren schlussfolgern aus diesem und anderen Beispielen, dass Verbesserungen im klinischen Sektor auf Ärzte in Führungspositionen zurückzuführen seien. Die erfolgreichsten Gesundheitsorganisatoren, so die Autoren weiter, würden alle Angestellten als potenzielle Chefs in ihren Abteilungen behandeln.

Bei der Studie hätten sich drei Punkte herauskristallisiert, die der flächendeckenden Umsetzung der ärztlichen Führung derzeit noch entgegenstehen: Erstens stünden Spitalsärzte der Idee, Zeit auf Führungsaufgaben zu verwenden, skeptisch gegenüber; Führungspositionen seien nicht wichtig für die Betreuung der Patienten. Zweitens gebe es zu wenige oder gar negative Anreize für Spitalsärzte, Führungspositionen zu übernehmen, auch gebe es keinen klar vorgegebenen Karriereweg, und die Gehälter seien oftmals niedriger als jene für Ärzte (wird am Bsp. des britischen National Health Service zeigt). Drittens werden Führungsqualitäten nicht wirklich gefördert bzw. nicht ausfindig gemacht. Im Medizin-Studium gebe es zudem keine Kurse für Management.

Um mehr Ärzte dazu zu bringen, Führungspositionen einzunehmen, könne man z.B. positive Beispiele hervorheben, so die Autoren. Gesundheitsorganisationen und Spitäler müssten die Bedeutung der ärztlichen Führung unterstreichen und fördern.

 

Management in Healthcare: Why good practice really matters – Stephen Dorgan, Dennis Layton, Nicholas Bloom, Rebecca Homkes, Raffaella Sadun, John van Reenen (2010)

Die Studie, publiziert von McKinsey, belegt, dass die Qualität stationärer Versorgung eng mit dem Management eines Spitals verbunden ist. Bessere Verwaltung, etwa durch Ärzte, kann dazu beitragen, die Sterblichkeitsraten zu senken und führt außerdem zu einer besseren finanziellen Situation.

Für die Studie wurden im Jahr 2006 104 Spitäler des britischen National Health Service sowie 22 private Spitäler in Großbritannien untersucht. Im Jahr 2009 wurde die Studie auf 1.194 Spitäler in den USA, Kanada, Schweden, Deutschland, Frankreich und Italien ausgeweitet. Dabei wurden doppelblinde Befragungen der Abteilungs- und Bereichsleiter sowie der Krankenhausmanager durchgeführt. Spitäler mit einer hohen Anzahl an ärztlichen Führungskräften schnitten um 50 Prozent besser ab als andere. Spitäler, an deren Spitze ein Arzt stand, hatten insgesamt bessere Bewertungen beim Management. Den Autoren zufolge liegt dies daran, dass Führungskräfte, die selbst aus dem Spitalsbereich kommen, diesen besser verstehen und ärztliches Personal dadurch auch besser führen können.

Weitere Faktoren, die berücksichtigt werden sollten bzw. sich positiv auswirken:

  • Wettbewerb verbessert Standards im Management.
  • Gut verwaltete Spitäler erlauben ihren Managern mehr Freiräume und Autonomie.
  • Große Spitäler sind besser verwaltet.
  • Private Krankenhäuser schneiden in Sachen Management besser ab als öffentliche Spitäler.

 

Quellen: World Management Survey, The McKinsey Quarterly

 

Weitere Informationen:

Management in Healthcare: Why good practice really matters – Stephen Dorgan, Dennis Layton, Nicholas Bloom, Rebecca Homkes, Raffaella Sadun, John van Reenen (2010)
http://worldmanagementsurvey.org/wp-content/images/2010/10/Management_in_Healthcare_Report_2010.pdf

 

James Mountford/Caroline Webb, When clinicians lead, Februar 2009, McKinsey
http://www.mckinsey.com/~/media/mckinsey/dotcom/client_service/healthcare%20systems%20and%20services/health%20international/hi09_clinicians_lead.ashx