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Mobile-Health-Dienste: Gesundheit to go?

Sieht man sich in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Warteräumen um, fällt auf, dass der Großteil der Menschen ein Smartphone in der Hand hält. Mobiltelefone und drahtlose Internetverbindungen sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Es gibt zahlreiche Anwendungen für Smartphones, sogenannte Apps, die sich zu einem lukrativen Geschäft entwickelt haben. Da kann es kaum verwundern, dass nun auch der Bereich der Gesundheit für diesen Markt erobert werden soll.

Die Europäische Kommission beschäftigte sich 2014 in einem Grünbuch Mobile-Health-Dienste intensiv mit dem Potenzial von mobilegestützten Gesundheitsanwendungen. Die WHO definiert Mobile-Health (=mHealth) als „medizinische Verfahren und Praktiken der öffentlichen Gesundheitsfürsorge, die durch Mobilgeräte wie Mobiltelefone, Patientenüberwachungsgeräte, persönliche digitale Assistenten (PDA) und andere drahtlos angebundene Geräte unterstützt werden". Dazu können auch Gesundheits- und Lifestyle-Apps, individualisierte Hinweis- und Erinnerungssysteme, Gesundheitsinformationen per SMS sowie drahtlose telemedizinische Angebote gezählt werden.

Gesundheits-Apps auf dem Vormarsch

Laut der Europäischen Kommission werden mHealth-Dienste in Zukunft eine große Rolle in den europäischen Gesundheitssystemen spielen. Sie könnten eine Entwicklung der Gesundheitsvorsorge hin zum eigenverantwortlichen Patienten anstoßen. Nach Schätzungen gibt es derzeit circa 97.000 mHealth-Apps, davon sind 70 Prozent in den Bereichen Wohlbefinden / Fitness anzusiedeln und die restlichen 30 Prozent richten sich an Mitarbeiter im Gesundheitsbereich. Wie viel vor allem auch finanzielles Potenzial in diesem neuen Markt der mHealth-Dienste liegt, belegt der kürzlich getätigte Verkauf der 2009 in Linz gegründeten Fitness-App Runtastic um 220 Millionen Euro an Adidas eindrucksvoll.

Gesundheits-Apps sammeln umfassende personenbezogene Daten, die neben der Identität (direkt oder indirekt) auch Aufschluss über Ernährungsgewohnheiten, sportliche Aktivität oder Medikamenteneinnahme geben können. Daher weist die Europäische Kommission auf die Notwendigkeit von Datenschutzmaßnahmen hin. Aus ihrem Grünbuch geht hervor, dass einer möglichen Einbindung von mHealth-Diensten in die europäischen Gesundheitssysteme, Richtlinien zum Schutz von sensiblen Patientendaten vorangehen müssen. Vorausgesetzt die Problematik des Datenschutzes kann geklärt werden, so birgt die Vielzahl an gesammelten Gesundheitsdaten große Chancen für die epidemiologische Forschung, die anhand der Massendatenverarbeitung Schlüsse z.B. über den Zusammenhang von Krankheiten und Umweltfaktoren ziehen könnte.

Im Bereich der mHealth-Anwendung wird es sicherlich noch viele Innovationen geben. Einige Apps, die z.B. relevante Informationen bieten, helfen den Krankheitsverlauf zu dokumentieren, zu einem gesünderen Lebensstil beitragen oder an Medikamente erinnern, sind durchaus sinnvoll, andere Apps hingegen haben kaum reellen Nutzen. mHealth-Apps können zu einer erhöhten Aufmerksamkeit für die eigene Gesundheit führen, sie können Patienten aber auch auf die falsche Fährte lenken und lassen viel Spielraum für Interpretation. Daher empfiehlt es sich bei anhaltenden Beschwerden einen Arzt aufzusuchen, anstatt das Handy zu befragen.

 

Einige Gesundheits-Apps im Überblick

European Health Insurance

Eine App der Europäischen Union, die über die Benutzung der Europäischen Krankenversicherungskarte informiert. Sie enthält allgemeine Informationen zur Versicherungskarte, abgedeckten Behandlungen und Kosten im europäischen Ausland und Notrufnummern.
Downloads: 100.000 – 500.000

Apotheken und Medikamente

Die App der Österreichischen Apothekerkammer bietet Apothekensuche, Informationen über Apotheken mit Nachtdienst, eine Arzneimitteldatenbank sowie einen elektronischen Impfpass.
Downloads: 100.000 – 500.000

Pollen

Der Österreichische Pollenwarndienst stellt mit dieser App eine personalisierte Pollenvorhersage für die nächsten drei Tage sowie ein Pollentagebuch zur Verfügung.
Downloads: 100.000 - 500.000

Meine Medizin

Die gemeinsame App von Wiener Ärztekammer und Pharmig speichert, wann welches Medikament eingenommen werden muss und erinnert zeitgerecht an die Einnahme in der richtigen Dosierung. Außerdem steht eine Arztsuche für Wien zur Verfügung.
Downloads: 5.000 – 10.000

 

Quellen: Europäische Kommission - Grünbuch über Mobile-Health-Dienste 2014, WHO mHealth – New horizons for health through mobile technologies, Google App Store

 

Weitere Informationen

WHO mHealth – New horizons for health through mobile technologies: http://www.who.int/goe/publications/goe_mhealth_web.pdf

Europäische Kommission - Grünbuch über Mobile-Health-Dienste 2014: http://ec.europa.eu/newsroom/dae/document.cfm?doc_id=5186

Europäische Kommission – mHealth Infografik: https://ec.europa.eu/digital-agenda/en/news/mhealth-what-it-infographic