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Frauentag: Politik muss endlich auf Ärztinnen-Anliegen eingehen

Österreichische Ärztekammer plant bundesweite Ärztinnen-Umfrage

Fast die Hälfte der österreichischen Ärzteschaft ist weiblich. Mit aktuell 47 Prozent ist der Frauenanteil um neun Prozent höher als noch vor zehn Jahren. Doch gerade für Ärztinnen ist es immer noch schwierig, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) fordert daher anlässlich des morgigen Welt-Frauentages die Politik auf, den Ärztinnen und ihren berechtigten Anliegen mehr Aufmerksamkeit und Wertschätzung entgegenzubringen. Die Standesvertretung selbst startet noch heuer eine österreichweite Ärztinnen-Befragung.

Szekeres: Umfrage-Ergebnis ist Arbeitsauftrag für Kammer

ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres: „Aus persönlichen Gesprächen mit Kolleginnen weiß ich, dass Frauen in den verschiedenen Phasen ihres Berufslebens höchst unterschiedliche familiäre Aufgaben zu bewältigen haben, die zwar immer herausfordernd, aber im Zeitausmaß wechselnd sind."

Die daraus erwachsenden beruflichen Bedürfnisse könnten nur dann individuell erfüllt werden, wenn sie von der Gesundheitspolitik wahrgenommen und die Rahmenbedingungen entsprechend angepasst werden, so Szekeres. Die ÖÄK werde daher erstmalig in den nächsten sechs Monaten Ärztinnen darüber befragen, welche Änderungen ihres beruflichen Umfeldes ihnen wichtig sind. „Die Umfrage wird sich mit den spezifischen Herausforderungen der Ärztinnen im angestellten und niedergelassenen Bereich befassen. Fragestellungen zu Ausbildung, Karriere-Entwicklung, neuen Formen der Zusammenarbeit in der Niederlassung und zur Arbeitszeit sind Schwerpunkte der Umfrage. Aber auch Sexismus, Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz werden wir thematisieren. Die Ergebnisse werden wir dann als Arbeitsauftrag für die gesamte laufende Funktionsperiode der ÖÄK betrachten", betonte der Präsident der Österreichischen Ärztekammer.

Preiss: Ziel ist ausgeglichene Geschlechterverteilung

Für die Präsidentin der Ärztekammer für Kärnten und Leiterin des ÖÄK-Referates für Gender-Mainstreaming und spezifische Berufs- und Karrieremodelle von Ärztinnen, Petra Preiss, zeige die ÖÄK mit dieser Initiative, dass sie Ärztinnenanliegen als eine Sache der gesamten Standesvertretung betrachte.

„Die Auswertung der Befragung und die Umsetzung der Anregungen werden langfristig auch positive Auswirkungen auf die ärztliche Versorgung der Bevölkerung haben. Denn je mehr Ärztinnen ihre individuell verfügbare Arbeitszeit gezielt einsetzen können, desto eher können die bevorstehende Pensionierungswelle und der erwartete Mangel an Ärztinnen und Ärzten abgefedert werden", ist Preiss überzeugt. Die Beseitigung ungerechtfertigter Unterschiede in der Berufsausübung von Medizinerinnen und Medizinern werde dazu beitragen, sagte Preiss.

Ihr „persönliches Anliegen" sei darüber hinaus „eine ausgeglichene Geschlechterverteilung bei den MandatarInnen und ReferentInnen in allen Länderkammern und auf ÖÄK-Ebene. Die Ärztekammer für Kärnten hat hier bereits eine Vorreiterrolle. Frauen haben das Recht, ihre Anliegen selbst zu transportieren und sollten diese Möglichkeit auch nutzen. Die Unterstützung der Standespolitik für Ärztinnen auch durch die männlichen Mandatare ist dabei der Anspruch den ich an eine echte solidarische Kammer stelle", so die Präsidentin der Ärztekammer für Kärnten und ÖÄK-Referatsleiterin abschließend

Jeder zweite Spitalsarzt weiblich

Nach der Erwerbsform betrachtet, sind bereits 55 Prozent der angestellten Ärzte weiblich. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren (2009) waren es erst 49 Prozent. Mit elf Prozent noch sehr gering ist der Anteil an Primarärztinnen. Bei den Ärzten in Ausbildung gibt es mit 55 Prozent mehr Frauen als Männer, allerdings ist hier der Frauenanteil gegenüber 2009 um zehn Prozent gesunken.

Im niedergelassenen Bereich wird inzwischen mehr als ein Drittel der Ordinationen (37 Prozent) von einer Frau geführt. Vor zehn Jahren waren es erst 31 Prozent.

Zu 59 Prozent weiblich ist die Allgemeinmedizin, aber auch bei den Fachärzten ist der Frauenanteil auf 38 Prozent gestiegen (2009: 51 bzw. 32 Prozent).

Mehr Frauen in „Männer-Fächern"

In den vergangenen zehn Jahren haben Frauen auch in traditionell eher männerdominierten Fächern stark zugelegt, so ist z.B. der Anteil der Chirurginnen um mehr als die Hälfte gewachsen (von 15 auf 23 Prozent). Um 40 Prozent gestiegen ist der Anteil an Unfallchirurginnen. Eine Steigerung des Frauenanteils um etwa ein Drittel verzeichnen die Urologie und die Innere Medizin.

Ebenso ist der Anteil der Gynäkologinnen seit 2009 um ein Drittel gewachsen, sodass es aktuell schon fast gleich viele Frauen (49 Prozent) wie Männer in diesem Fach gibt.

Fächer mit überwiegendem Frauenanteil sind z.B.: Physikalische Medizin (56 Prozent), Dermatologie (54 Prozent), Kinderheilkunde (56 Prozent), Psychiatrie/Neurologie (53 Prozent).

Bundesländer-Vergleich

In allen Bundesländern ist der Anteil der Ärztinnen gestiegen. Über dem österreichweiten Frauenanteil von 47 Prozent liegen auch 2018 Wien (51 Prozent) knapp gefolgt von Niederösterreich (49 Prozent) und der Steiermark (48 Prozent), während der Frauenanteil in Vorarlberg 40 Prozent beträgt.