angle-left ÖÄK-Mayer: Patienten endlich gezielt versorgen

Die Hausarztbesuche nehmen ab, die Ambulanzen sind überlastet. Der ÖÄK-Vizepräsident fordert einen besseren Umgang mit den knappen ärztlichen Ressourcen.

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie der MedUni Wien bestätigt einmal mehr den von der ÖÄK aufgezeigten Trend der Überlastung von Ambulanzen. Österreichweit sind die Ambulanzfälle von 2005 bis 2017 um 34 Prozent angestiegen, 2017 wurden 8.760.806 Ambulanzfälle dokumentiert.

Laut der Studie von Kathryn Hoffmann vom Zentrum für Öffentliche Gesundheit gehen Menschen in Österreich immer öfter direkt in die Krankenhausambulanz. Sie verglich Daten von 2006/2007 und 2014, wie sie mit der normierten ATHIS-Umfrage zum Gesundheitszustand/Gesundheitsverhalten der Österreicher von der Statistik Austria jeweils erhoben worden sind. Konkret stiegen die Ambulanzbesuche ohne vorherigen Hausarztkontakt um 6,4 Prozent auf 14,9 Prozent. „Wir haben jetzt schon zu wenige Ärzte im Spital, die zudem überlastet sind. Ohne eine gezielte Patientensteuerung wird das System nicht funktionieren“, warnt Harald Mayer, Obmann der Bundeskurie der angestellten Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer. Offensichtlich gebe es ein Strukturproblem, die Studienergebnisse würden einmal mehr zeigen, dass die Ambulanzen mehr als die in den Krankenanstaltengesetzen festgelegten Aufgaben erfüllten. „Wieder wurde gezeigt, wie notwendig der Hausarzt als Basis der Gesundheitsversorgung ist und dass er erste Anlaufstelle für Patienten sein sollte“, sagt Mayer. Patienten, ausgenommen Notfälle, sollten nur mehr mit einer Überweisung in den Ambulanzen behandelt werden. „Die Politik ist gefragt, hier endlich zu handeln“, fordert der ÖÄK-Vizepräsident.

Neben den Ambulanzbesuchen ohne vorherigem Kontakt mit einem Hausarzt stieg auch der Anteil der direkten Facharzt-Besuche um 3,76 Prozent: Während laut der Befragung 2006/2007 in den vorangegangenen zwölf Monaten 15,1 Prozent der Bevölkerung in Österreich direkt zum Facharzt gegangen sind, waren es 2014 bereits 18,8 Prozent.