Finanztipps für Ärztinnen und Ärzte

null Ein Geschenk vom Finanzamt - Steuertipps zum Jahresende & COVID - Hilfsmaßnahmen

Die optimale Nutzung der Steuervorteile. Was 2020 noch zu beachten ist.

Das Jahr neigt sich mit rasanten Schritten dem Ende zu. Um entspannt die Feiertage genießen zu können, informiert die ÖÄK wie jedes Jahr über die wichtigsten Steuertipps und -tricks zum Jahreswechsel. Um die noch anhaltende Corona-Krise bestmöglich abzufedern, wurden weitere Unterstützungsmaßnahmen geschaffen. Beachten Sie diese nachstehend und zögern Sie nicht, diese rechtzeitig in Anspruch zu nehmen.

Gewinnfreibetrag prüfen

Der Gewinnfreibetrag beträgt bis zu 13 % des Gewinnes, max. EUR 45.350 pro Jahr, und kann von allen natürlichen Personen beansprucht werden. Für die ersten erwirtschafteten EUR 30.000 steht der Grundfreibetrag allen Steuerpflichtigen in voller Höhe (EUR 3.900) automatisch zu. Übersteigt der Gewinn die Freigrenze und werden im gleichen Kalenderjahr begünstigte Wirtschaftsgüter oder Wertpapiere (alle Anleihen sowie Anleihen- und Immobilienfonds, die als Deckungswertpapiere für die Pensionsrückstellung zugelassen sind) mit einer Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren angeschafft, so steht zusätzlich zum Grundfreibetrag der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag in Höhe der Kosten der angeschafften Wirtschaftsgüter zur Verfügung. Bis zum Abschluss des Geschäftsjahres besteht noch ausreichend Zeit zur Anschaffung und Inbetriebnahme relevanter begünstigter Wirtschaftsgüter bzw. Wertpapiere.

 

Gewinn
in EUR

%-Satz GFB

GFB in EUR

Insgesamt EUR

bis 175.000

13%

22.750

22.750

175.000 bis 350.000

7%

12.250

35.000

350.000 bis 580.000

4,50%

10.350

45.350

über 580.000

0%

0

45.350


Tabelle 1: Staffelung des Gewinnfreibetrags

Hinweis: Bei Inanspruchnahme einer Betriebsausgabenpauschalierung steht der investitionsbedingte Grundfreibetrag nicht zu!

Gewinnpauschalierung Kleinunternehmer

Kleinunternehmern steht ab der Veranlagung 2020 eine weitere Pauschalierungsmöglichkeit zur Verfügung. Die Möglichkeit kann von Einnahmen-Ausgaben-Rechnern in Anspruch genommen werden, die Einkünfte aus Gewerbebetrieb bzw. selbstständiger Tätigkeit erwirtschaften und deren maximaler Jahresumsatz EUR 35.000 nicht übersteigt (Toleranzgrenze von EUR 40.000, sofern die Vorjahresumsätze unter EUR 35.000 lagen). Das Betriebsausgabenpauschale beträgt 20 % der Betriebseinnahmen für Dienstleistungsbetriebe (Ärzte). Dies könnte für jene Ärzte interessant sein, die lediglich im Nebenerwerb einer selbständigen ärztlichen Tätigkeit nachgehen (Vertretungstätigkeit; Privatordination).

Hinweis: Unabhängig von der Umsatzhöhe können Gesellschaftsgeschäftsführer, Stiftungsvorstände und Aufsichtsräte die Gewinnpauschalierung nicht beanspruchen!

Geringwertige Wirtschaftsgüter

Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) können im Jahr der Anschaffung sofort als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Mit 1. Jänner 2020 wurde die GWG-Grenze verdoppelt und auf EUR 800 erhöht. Ab dem Jahr 2021 steht die Abschreibung für geringwertige Wirtschaftsgüter sogar bis zu einem Betrag von EUR 1.000 zu.
Die Sofortabschreibung ist als Wahlrecht konzipiert und bietet dadurch die Möglichkeit, die geringste Steuerbelastung durch optimale Abschreibungsmodalitäten zu erreichen.

Ende der Aufbewahrung für Unterlagen aus 2013

Zum 31.12.2020 läuft die 7-jährige Aufbewahrungspflicht für Bücher, Aufzeichnungen, Belege etc. des Jahres 2013 aus. Diese können daher ab 1.1.2021 vernichtet werden. Für Unterlagen iZm Grundstücken besteht jedoch eine 22-jährige Aufbewahrungsfrist.

Beachten Sie aber, dass Unterlagen dann weiter aufzubewahren sind, wenn sie in einem anhängigen Beschwerdeverfahren (lt. BAO) oder für ein anhängiges gerichtliches oder behördliches Verfahren (lt. UGB) von Bedeutung sind, in dem Ihnen Parteistellung zukommt.

Zuverdienst- bzw. Einkommensgrenze Familienbeihilfe

Die Zuverdienst- bzw. Einkommensgrenze für den Anspruch auf die (volle) Familienbeihilfe wurde rückwirkend per 1. Jänner 2020 auf EUR 15.000 pro Kalenderjahr angehoben (bisher: EUR 10.000). Erst bei Übersteigen des Grenzwertes kommt es zu einer Reduzierung bzw. Entfall der Anspruchsberechtigung.

COVID19-Prämie für Mitarbeiter

Dienstgeber können Mitarbeitern, die aufgrund der COVID-19-Krise erschwerten Arbeitsbedingungen ausgesetzt waren, dafür eine zusätzliche Bonuszahlung von bis zu EUR 3.000 steuer- und sozialversicherungsfrei gewähren. Es gibt keine Einschränkungen auf Branchen oder systemrelevante Tätigkeiten. Der steuerfreie Bonus kann auch Mitarbeitern gewährt werden, die sich in Kurzarbeit befinden. Eine solche COVID-19-Prämie erhöht nicht das Jahressechstel und wird nicht auf das Jahressechstel angerechnet.

Mittlerweile wurde die Lohnnebenkostenbefreiung (DB, DZ, Kommunalsteuer) der Prämien, Bonuszahlungen und Zulagen, welche im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie gewährt werden, von der Bundesregierung verlautbart.

Die Befreiung kann rückwirkend ab März 2020 geltend gemacht werden. Das entspricht jenem Zeitpunkt, ab welchem eine Abrechnung der Zuwendungen erstmals möglich war.

Betriebsbenefits

Überraschen Sie Ihre Mitarbeiter mit einer Belohnung zum Jahresende. Aufwendungen für Sachzuwendungen oder Gutscheine sind im aktuellen Geschäftsjahr bis zu einer Höhe von EUR 186 lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei.

Für die Teilnahme an Betriebsveranstaltungen (z.B. Betriebsausflug, Weihnachtsfeier) gibt es pro Arbeitnehmer einen Steuerfreibetrag von EUR 365.

Spenden als Sonderausgaben

Alle Jahre wieder können die Sach- und Geldspenden bis zu 10 % des Gewinnes (vor Berücksichtigung des Gewinnfreibetrages) als Betriebsausgaben abgesetzt werden.

Hinweis: Spenden müssen an eine anerkannte begünstigte Einrichtung erfolgen. Die Auflistung der begünstigten Einrichtungen ist abrufbar unter https://service.bmf.gv.at/Service/allg/spenden/ListebeguenstigterEinrichtungen.pdf

COVID – Hilfsmaßnahmen & weitere Fördermaßnahmen

Fixkostenzuschuss

Im Rahmen des Covid-Hilfsfonds hat die Regierung ein Gesamtbudget in Höhe von EUR 15 Mrd. für den Fixkostenzuschuss I (FKZ I oder Phase I) und den Fixkostenzuschuss II (FKZ II oder Phase II) bereitgestellt. Der nachfolgende Beitrag bezieht sich ausschließlich auf die Regelungen des Fixkostenzuschusses I (Phase I). Ende August 2020 wurde das Konzept des Fixkostenzuschusses um eine Phase II (Regelungen zu Gunsten der Unternehmer) erweitert, allerdings ist die Genehmigung der EU-Kommission dafür noch ausständig.
Ärzt*innen sind anspruchsberechtigt und können Zahlungen aus dem Fixkostenzuschuss erhalten. Voraussetzung für die Inanspruchnahme ist ein durch COVID-19 bedingter Umsatzrückgang in Höhe von mindestens 40 % im jeweiligen Betrachtungszeitraum (dies ist das 2. Quartal 2020 oder ein ausgewählter Betrachtungszeitraum von 1 bis 3 zusammenhängenden Monaten zwischen 16.3.2020 bis 15.9.2020). Der Mindestausfall an Umsatz iHv 40 % ist mit demselben Zeitraum im Vorjahr zu vergleichen.

Ärzt*innen ermitteln idR ihre Umsätze und Betriebsausgaben nach dem Zahlungseingang bzw. -ausgang am bzw. vom Bankkonto (Kassa). Dies entspricht den Grundsätzen eines Einnahmen-Ausgaben-Rechners.

Bei der Umsatz- und Fixkostenermittlung für den Antrag auf Gewährung eines Fixkostenzuschusses soll aber grundsätzlich auf den Tag der Leistungserbringung abgestellt werden.

Eine Berechnung des Umsatz(rückgangs) bzw. der Fixkosten auf Basis einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ist weiterhin möglich. Zu beachten ist dabei aber, dass zB Akontozahlungen, die von der ÖGK in den relevanten oben genannten Betrachtungszeiträumen zufließen auf vergangenen „umsatzstärkeren“ Abrechnungsperioden basieren und erst durch den Spitzenabgleich am zweitfolgenden Quartalsende den tatsächlichen Umsatzrückgang zeigen. Gleiches gilt bei Wahlärzt*innen, deren zuvor erbrachte Leistungen erst verspätet und damit innerhalb des relevanten Betrachtungszeitraumes zufließen. Das kann dazu führen, dass ein höherer Umsatz ausgewiesen wird als tatsächlich an Leistungen innerhalb dieses Betrachtungszeitraumes erbracht wurden.

Durch das Abstellen auf den Zeitpunkt der Leistungserbringung können solche Verzerrungen bei der Ermittlung des Umsatzrückgangs vermieden werden.

Der Fixkostenzuschuss ist abhängig von der Höhe des Umsatzrückgangs und staffelt sich wie folgt:
•    40 – 60 % Umsatzausfall: 25 % Ersatzleistung der dem Zeitraum zuzuordnenden Fixkosten
•    60 – 80 % Umsatzausfall: 50 % Ersatzleistung der dem Zeitraum zuzuordnenden Fixkosten
•    80 – 100 % Umsatzausfall: 75 % Ersatzleistung der dem Zeitraum zuzuordnenden Fixkosten
Gefördert werden Fixkosten, wie Geschäftsraummieten, betriebliche Versicherungen, Zahlungen für Strom, Gas, Telekommunikation, betriebsnotwendige vertragliche Zahlungsverpflichtungen wie zB Lizenzkosten, Kosten für Operating Leasing, Steuerberatungskosten sowie Zinsaufwendungen. Ein angemessener Unternehmerlohn (iHv mindestens EUR 666,67 und maximal EUR 2.666,67 pro Monat) kann für Einzelunternehmer und Gesellschafter einer Gruppenpraxis OG angesetzt werden. Zusätzlich können bei einem Fixkostenzuschuss iHv maximal EUR 12.000 Steuerberatungskosten für die Antragstellung im Ausmaß von EUR 500 angesetzt werden.

Abschreibungen können basierend auf den derzeitigen Regelungen nicht geltend gemacht werden.

Der Zuschuss ist um etwaige andere Förderungen (zB Zuwendungen von Gebietskörperschaften bzw. gem. Epidemiegesetz, etc.) zu kürzen. Hingegen kürzen Zahlungen iZm der Kurzarbeit sowie aus dem Härtefallfonds den Fixkostenzuschuss nicht.
Die Auszahlung des Fixkostenzuschusses muss spätestens bis 31. August 2021 beantragt werden. Der Antrag und alle für die Auszahlung des Fixkostenzuschusses erforderlichen Informationen, Daten und Nachweise müssen über FinanzOnline eingebracht werden.

Investitionsprämie 2020

Profitieren Sie jetzt von der steuerfreien Investitionsprämie von 7 % bzw. 14 % auf Neuinvestitionen wie zB medizinische Geräte, Ordinationseinrichtung, bestimmte Fahrzeuge, Computer oder Software. Ausgeschlossen sind klimaschädliche Investitionen, unbebaute Grundstücke und Bauprojekte, die für Vermietung an Privatpersonen bestimmt sind, Finanzanlagen, Unternehmensübernahmen und aktivierte Eigenleistungen.
Das minimale förderbare Investitionsvolumen pro Antrag ist EUR 5.000 netto bzw. brutto bei ärztlichen Tätigkeiten. Bei dieser Untergrenze handelt es sich um die Summe aller Investitionen pro Förderungsantrag. Es können daher auch kleinere Investitionen (auch Geringwertige Wirtschaftsgüter) berücksichtigt werden.

Die Förderung beträgt generell 7 % bzw. 14% bei Investitionen in den Bereichen Klimaschutz (Ökologisierung), Digitalisierung und Gesundheit.

Der Klimaschutz umfasst u.a. Elektromobilität, Investitionen in Wärmeanlagen mit erneuerbaren Energien, thermische Sanierungen, Energiesparmaßnahmen, Klimatisierung und Kühlung sowie Photovoltaik- und Solaranlagen.
•    PKWs sind förderfähig, wenn sie reine Elektrofahrzeuge sind oder Plug-In Hybride und Range Extenderfahrzeuge, deren vollelektrische Reichweite über 40 km umfasst und deren Brutto-Listenpreis (Basismodell) unter EUR 70.000 liegt. Leasingfahrzeuge werden nur umfasst, wenn es sich um Finanzierungsleasing handelt.
Zur Digitalisierung zählen u.a. Investitionen in Software und Hardware inkl. Zubehör, digitale Infrastruktur, E-Commerce (zB Homepage und Webauftritt), Cloud-Lösungen oder Datensicherheit.

Der Bereich Gesundheit betrifft ausschließlich Anlagen für die Entwicklung und Herstellung von pharmazeutischen Produkten und Schutzausrüstung.
Investitionen müssen zwischen dem 1. September 2020 und 28. Februar 2021 beim Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS) beantragt und zwischen dem 1. August 2020 und längstens dem 28. Februar 2021 erste Maßnahmen gesetzt werden. Erste Maßnahmen sind Bestellungen, Kaufverträge, Lieferungen, der Beginn von Leistungen, Anzahlungen, Zahlungen, Rechnungen oder der Baubeginn.
Für die Abwicklung ist die AWS zuständig und der Antrag muss über den elektronischen Fördermanager eingebracht werden.

Der Gewinner des Jahres – das Elektrofahrzeug

Neben den bisher bekannten Kosteneinsparungen durch den gänzlichen Wegfall der NoVa (Abgabe korreliert mit CO2-Austoß) sowie der motorbezogenen Versicherungssteuer, ergeben sich für Sie bis Jahresende weitere attraktive Steuervorteile in Bezug auf die Anschaffung eines Elektrofahrzeuges.

Staatliche Prämien und Zuschüsse bekräftigen den Wandel hin zu mehr Umweltbewusstsein und nachhaltiger Mobilität. Die beträchtliche Reduktion der Anschaffungskosten durch eine staatliche Umweltförderung des Bundes (derzeit EUR 5.000 für E-Fahrzeuge inkl. EUR 2.000 Mobilitätsbonus des Fahrzeughändlers) sowie die oben erwähnte Investitionsprämie iHv 14 % ist für Sie als Ärzt*innen ein überzeugendes Argument. Zusätzliche Landesförderungen oder Zuschüsse von Importeuren/Herstellern, beispielsweise für die Anschaffung von Ladestationen, sind möglich.
Weiters besteht im Gegensatz zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor keine achtjährige Abschreibungspflicht, lediglich die steuerliche „Luxusgrenze“ von EUR 40.000 ist zu berücksichtigen.

Die Überlegung, Elektrofahrzeuge zur privaten Nutzung an Mitarbeiter zu überlassen, bietet weiters steuerliche Vorteile für beide Seiten.

Corona-Kurzarbeit geht in die 3. Phase

Wichtigste Eckpunkte der Kurzarbeit ab 1.10.2020:
Die Sozialpartnervereinbarung gilt für alle Kurzarbeitsanträge ab 1.10.2020 bis längstens 31.3.2021. Der Kurzarbeitszeitraum wird verlängert und beträgt höchstens 6 Monate.
Der Zugang zur Kurzarbeit erfordert künftig eine zusätzliche wirtschaftliche Begründung.
Die Ersatzraten bleiben weiterhin bei 80, 85 und 90 %. Die Bandbreite der Arbeitszeit beträgt zwischen 30 % (bzw. 10 %) bis 80 %. Im November 2020 bzw. für die Dauer des Lockdowns sind 0 % Arbeitsleistung möglich. Dadurch ist auch eine Unterschreitung von 30 % bzw. 10 % Arbeitsleistung zulässig.

Lehrlinge können weiterhin in die Kurzarbeit einbezogen werden, wenn die Ausbildung sichergestellt ist.

Prüfen Sie die Anwendbarkeit und steuerliche Vorteilhaftigkeit der aufgezählten Möglichkeiten und sichern Sie sich Ihre Vorteile. Auch für die Anschaffung und Inbetriebnahme relevanter begünstigter Wirtschaftsgüter bzw. Wertpapiere besteht bis hin zum Jahresende noch ausreichend Zeit.

Für den Inhalt ist das ÖÄK-Referat für Steuerangelegenheiten, Herr Prof. Dr. Markus Metzl, MSc, zuständig.