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angle-left Immer weniger Prüfungskandidaten: ÖÄK warnt vor rapide abnehmendem Interesse am Allgemeinmediziner-Beruf

ÖÄK-Steinhart: Allgemeinmedizin ihrem hohen Stellenwert entsprechend fördern – Bedarf kann immer weniger gedeckt werden

„Der offensichtliche Interessens-Einbruch von Jungmedizinern am Beruf des Allgemeinmediziners ist alarmierend“, sagt Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, angesichts der abnehmenden Kandidaten-Zahlen bei den Prüfungen zum Allgemeinmediziner. 2019 werden insgesamt nur noch rund 400 Studierende eine Prüfung zum Allgemeinmediziner ablegen – an nunmehr drei statt vier Prüfungsterminen, die Sommerprüfung für 2019 findet nicht statt. Beim heurigen Winter-Prüfungstermin gab es um 31 Prozent weniger Kandidaten als 2018, beim Frühjahrstermin um 10 Prozent. Zum Vergleich: 2015 gab es mit 876 Prüfungskandidaten noch deutlich mehr als doppelt so viele wie heuer insgesamt erwartet werden.

„Dieser Trend wird, wenn die Gesundheitspolitik nichts Wirksames unternimmt, die medizinischen Versorgung der Zukunft gefährden“, so Edgar Wutscher, Obmann der Bundessektion Allgemeinmedizin der ÖÄK. „Hausärzte sind ein unersetzliches Fundament unserer bewährten niedergelassenen Versorgung. Kaum auszudenken, was passiert, wenn dieses Fundament, das in Teilen Österreichs bereits durch unzureichenden Allgemeinmediziner-Nachwuchs spürbare Risse bekommen hat, großflächig brüchig würde.“

Mehr als die Hälfte der GKK-Allgemeinmediziner werden in den nächsten zehn Jahren das Pensionsalter erreichen, von den Wahlärzten rund 40 Prozent. Das bedeutet einen mittelfristigen jährlichen Nachbesetzungsbedarf von 237 bzw. 124: Das ist die Anzahl zusätzlicher Ärztinnen und Ärzte, die zur Aufrechterhaltung des Status quo in fünf Jahren benötigt werden, um die pensionsbedingten Abgänge auszugleichen. Wutscher: „Allerdings sind wir immer weiter davon entfernt, diesen Bedarf decken zu können.“ Noch nicht eingerechnet sei hier der zunehmende Versorgungsbedarf durch eine wachsende und älter werdende Gesellschaft.

Es sei zu hoffen, dass diese Bilanz die gesundheitspolitisch Verantwortlichen nicht nur aufrüttle, sondern auch zum Setzen geeigneter Maßnahmen animiere: „Die Politik muss dafür sorgen, dass die Allgemeinmedizin ihrem Stellenwert entsprechend behandelt und gefördert wird. Das bedeutet, sie aktiv zu bewerben, aber auch derart attraktive berufliche Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sich die Allgemeinmedizin im Wettbewerb mit anderen medizinischen Fächern behaupten kann“, so Steinhart. „Sonst darf sich niemand wundern, wenn der allgemeinmedizinische Nachwuchs auch weiterhin ausbleibt.“ (rb)