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null Mehr Medizin-Absolventen sind nicht die Lösung gegen Ärztemangel

Solange die Arbeitsbedingungen und die Arztausbildung in Österreich nicht verbessert werden, werden damit nur noch mehr Medizin-Absolventen Österreich nach ihrem Studium verlassen.

In der heutigen Landeshauptleute-Konferenz wurde der Beschluss gefasst, die Medizin-Studienplätze „deutlich zu erhöhen.“ Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) betonte in einer Pressekonferenz den „klaren Auftrag für die neue Bundesregierung“.

Einmal mehr warnt die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) davor, dass mit dieser Maßnahme allein das Problem mit dem Ärztenachwuchs in Österreich nicht gelöst werden kann. „Wichtiger sind die Rahmenbedingungen und die Begleitmaßnahmen, um beispielsweise dem Landärztemangel entgegenzutreten“, sagt ÖÄK-Präsident Thomas Szekeres und verweist auf den ÖÄK-Forderungskatalog, in dem unter anderem die Schaffung eines Facharztes für Allgemeinmedizin verankert ist.

„Eine drastische Erhöhung der Medizin-Studienplätze allein löst nicht den Ärztemangel. Solange es nicht gelingt, mehr Ärztinnen und Ärzte in Österreich zu behalten, produzieren wird damit auf Kosten der Steuerzahler mehr Absolventen für das Ausland“, ergänzt Harald Mayer, ÖÄK-Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte. Der Knackpunkt sei nämlich nicht die Anzahl der Medizin-Absolventen, sondern „dass sich Österreich Medizin-Absolventen leistet, die dann nicht in Österreich tätig sind.“

Qualität der Ärzteausbildung verbessern

Anzusetzen sei unter anderem an der Arztausbildung in den Spitälern, denn die Situation für angehende Ärztinnen und Ärzte nach ihrem Studiumabschluss sei dort nicht ideal: Bereits jetzt gebe es beispielsweise immer wieder Wartezeiten für die Basisausbildung. Zudem werde die Arztausbildung in Österreich höchst unterschiedlich bewertet. Ärztinnen und Ärzte würden teilweise zu wenig Praxis erhalten und statt am Patienten zu arbeiten vielmehr mit administrativen Aufgaben, wie dem händischen Verfassen von Arztbriefen, beschäftigt sein. „Das alles sind Gründe, warum 40 Prozent der Jungärzte nach ihrem Studium in Österreich ins Ausland gehen“, sagt Mayer.

In der jüngst präsentierten Ausbildungsevaluierung der ÖÄK wurden Basisausbildung, allgemeinmedizinische Ausbildung und Facharztausbildung in Österreich im Schnitt mit der Schulnote 2,4 bewertet – damit stagniert die Qualität im Vergleich mit der letzten Evaluierung. „Die Konkurrenz im Ausland schläft natürlich nicht. Primäres Ziel muss sein, dass unsere im Studium gut ausgebildeten Mediziner auch ärztlich im Land tätig sind“, sagt Mayer.

Investition in die Zukunft

Notwendig seien daher bessere Arbeitsbedingungen mit einer flächendeckend hohen Qualität in der Arztausbildung, für die Spitalsträger auch die notwendige Zeit zur Verfügung stellen sollten. „Bedside teaching, viel Simulationstrainings, gute Supervision – dafür benötigen wir in den Spitälern auch Oberärzte, die sich ausschließlich der Ausbildung der jungen Kolleginnen und Kollegen widmen können“, sagt Mayer. Die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten in den Spitälern sei eine Investition in die Zukunft: „Sie darf nicht als Störung des klinischen Alltags gesehen werden, sondern es ist die Verantwortung und die Pflicht der Spitalsträger, die Qualität der Arztausbildung zu garantieren“, sagt Mayer.