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null ÖÄK: Edgar Wutscher ist neuer Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte

Der Tiroler wird sich in seiner Amtszeit auf die Stärkung des niedergelassenen Bereiches konzentrieren: Bessere Arbeitsbedingungen für den Nachwuchs und Verankerung des freien Arztberufes

Der Tiroler Allgemeinmediziner Edgar Wutscher ist der neue Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Er wurde am heutigen Donnerstag im Vorfeld des 145. Österreichischen Ärztekammertages zum Nachfolger von Johannes Steinhart gewählt. Wutscher, bisher Obmann der Bundessektion Allgemeinmedizin, schreibt sich für die kommenden fünf Jahre die Optimierung des niedergelassenen Bereichs auf die Fahnen, einen attraktiveren Kassenbereich bei gleichzeitig „selbstverständlicher Beibehaltung des bewährten Wahlarztsystems“ sowie ein erfolgreiches Ende im jahrelangen Kampf für den „Facharzt für Allgemeinmedizin“.

1. Stellvertreter Wutschers ist Dietmar Bayer. Der 55-jährige Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin in Leibnitz ist Vizepräsident und Kurienobmann der Ärztekammer Steiermark. Er leitete zuletzt das ÖÄK-Referat für „E-Health in Ordinationen“. Als 2. Stellvertreterin wurde Naghme Kamaleyan-Schmied gewählt. Die Wiener Allgemeinmedizinerin (44) ist Kurienobmann-Stellvertreterin der Ärztekammer für Wien, auf ÖÄK-Ebene leitete sie zuletzt das Referat für Primärversorgung und ärztliche Zusammenarbeitsformen.

Entscheidender Zeitpunkt der Gesundheitspolitik

Bundeskurienobmann Edgar Wutscher erklärte nach seiner Wahl: „Wir stehen an einem ganz entscheidenden Zeitpunkt in der heimischen Gesundheitspolitik. Der niedergelassene Bereich kommt immer stärker unter Druck. Auf der einen Seite gibt es den Druck mit bürokratischen Hürden, Deckelungen, Dämpfungspfaden und drohenden Einsparungen, auf der anderen Seite werden die Lücken in der kassenärztlichen Versorgung immer größer. Anstatt hier die logische Verbindung zustande zu bringen, dass eines das andere bedingt, haben wir in den vergangenen Monaten einen ganzen Köcher an katastrophalen Vorschlägen präsentiert bekommen – von Zwangsverpflichtungen bis hin zur Abschaffung des Wahlarztbereiches“, fasste Wutscher zusammen. „Genau jetzt wird es wichtiger denn je sein, hier dagegenzuhalten. Dafür braucht es aber ebenso auch konstruktive Zusammenarbeit und ein Aufeinander-Zugehen. Wir dürfen niemals vergessen, dass die Hauptleidtragenden von Versorgungsproblemen unsere Patientinnen und Patienten sind. Diesen müssen wir Ärztinnen und Ärzte uns verantwortlich fühlen“, appellierte Wutscher.

„Selbstverständlich muss es uns aber auch möglich gemacht werden, dass wir unsere Patientinnen und Patienten so behandeln können, wie es unserem Selbstverständnis als Ärzteschaft entspricht. Die Arbeit als Kassenarztes muss für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen ebenso erfüllend und attraktiv sein, wie wir ihn kennen. Wir haben neue Zusammenarbeitsformen und es muss auch genügend Zeit für die Patientinnen und Patienten geben. Leider sind die Begriffe Wertschätzung und Attraktivierung von Kassenstellen nur mehr Schlagwörter für politische Sonntagsreden. Wir brauchen dringend den Facharzt für Allgemeinmedizin“, unterstreicht der neue Bundeskurienobmann. „Ebenso muss der Arztberuf als freier Beruf gestärkt und auch so wahrgenommen werden. Wir stehen sicher nicht zur Verfügung, um zwangsweise die von den Kassen selbst geschaffenen Versorgungslücken zu stopfen. Da erwarten wir uns von unseren Verhandlungspartnern und der Politik deutlich mehr Fairness, Anerkennung und Respekt.“

Zudem liege ihm die Betonung der ärztlichen Kompetenzen sehr am Herzen, sagte Wutscher. „Österreich kann zurecht stolz auf seine Ärztinnen und Ärzte sein – daran gibt es keinen Zweifel. Ich möchte besonders betonen, dass die ärztliche Expertise, die durch eine langjährige, aufwändige und schwierige Ausbildung aufgebaut und durch Fortbildungsverpflichtung und Praxis vertieft wurde, durch nichts zu ersetzen ist. Gesundheit, Sicherheit, Beratung – das ist nirgendwo besser als beim Arzt.“

Zur Person

Dr. Edgar Wutscher, geboren am 30. März 1952, begann nach dem Studienabschluss an der Universität Innsbruck im KH Zams zunächst mit dem Turnus Allgemeinmedizin, danach Anästhesie. Seit 1982 ist er als Allgemeinmediziner tätig, seit 1978 auch als Funktionär in der Ärztekammer für Tirol und in der Österreichischen Ärztekammer. Seine Schwerpunkte lagen bisher in der jahrzehntelangen Leitung des Fortbildungsreferates, im Aufbau des Notarztsystems in Tirol und damit auch Vertreter der niedergelassenen Notärzte, sowie auch im Sprengelärztereferat. Im Besonderen beschäftigt er sich aber auch seit vielen Jahren mit der Honorarproblematik der Sozialversicherungsträger.