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Österreichische Ärztekammer: Spitalsambulanzen dürfen nicht kaputtgespart werden

ÖÄK fordert mehr Geld für die Spitalsambulanzen, eine bessere Patientenlenkung und den raschen Ausbau des niedergelassenen Bereichs.

Die Österreichische Ärztekammer widerspricht der Einschätzung von Gesundheitsminister Johannes Rauch, der sich im Rahmen des gestrigen Gesundheitsausschusses dagegen ausgesprochen hatte, mehr Geld in die Spitalsambulanzen zu lenken: „Wir sind absolut derselben Meinung, dass die Spitäler aufgrund ihrer Spezialisierung der kostenintensivste Ort der Versorgung sind, und eine schärfere Fokussierung auf die Kernaufgaben erfolgen muss. Aber solange es in Österreich keine adäquate Patientenlenkung gibt und jeder Patient zu jeder Zeit mit jedem noch so kleinen Wehwehchen ungesteuert in eine Spitalsambulanz kommen kann, wäre es für die österreichische Gesundheitsversorgung fatal, wenn wir nicht in die Ambulanzen und insbesondere in unsere wichtigste Ressource, das dortige Personal, investieren würden“, befindet Harald Mayer, Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer. „Wenn wir die Ambulanzen nicht unterstützen, beuten wir damit die vielen Kolleginnen und Kollegen aus, die jetzt schon am Anschlag arbeiten – ein Blick in die Medien zeigt, wie ernst die Lage tagtäglich ist. Ohne Investitionen ist die hohe Qualität unserer Patientenversorgung akut gefährdet.“

Außerdem sind die Spitalsambulanzen auch wegen der dort angebotenen Versorgung in den Spezialfächern eine tragende Säule im heimischen Gesundheitssystem, die ausreichend ausfinanziert werden muss, sagt Mayer. „Um die Ambulanzen nachhaltig zu entlasten, ist eine verbindliche und strukturierte Patientenlenkung nötig in optimaler Abstimmung von extramuralem und intramuralem Bereich“, ergänzt Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer.

Diese kann nur dann erreicht werden, wenn der niedergelassene Bereich ausgebaut wird, unterstreicht Edgar Wutscher, Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer: „Nur wenn der extramurale Bereich den aktuellen Anforderungen an die Kassenmedizin im 21. Jahrhundert angepasst und die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung ausgebaut wird, kann dies gelingen. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte wollen sehr gerne ihre Patientinnen und Patienten optimal und zeitgemäß versorgen – das muss ihnen aber auch möglich gemacht werden. Wir begrüßen es sehr, dass Minister Rauch die Stärkung des niedergelassenen Bereiches und die Attraktivierung der Kassenmedizin als vorrangig bezeichnet hat“. Die Bundeskurie niedergelassene Ärzte fordere dies ja ebenfalls schon lange und habe dazu auch zahlreiche Ansätze identifiziert. „Dazu gehört für uns unter anderem auch die ärztliche Medikamentenabgabe über Hausapotheken und eine österreichweite Vereinheitlichung der Kassenleistungen. Hier brauchen wir dringend Investitionen“, sagt Wutscher.

Studienplätze: Ärztekammer und Minister auf einer Linie

„Dass Minister Rauch dezidiert erklärt hat, dass auch er eine Anhebung der Anzahl der Medizinstudienplätze nicht für sinnvoll im Kampf gegen den Ärztemangel erachtet, ist äußerst begrüßenswert“, sagt Mayer. „Wir freuen uns sehr, dass unsere jahrelange Argumentation, nämlich die Rahmenbedingungen fürs Arbeiten als Arzt zu verbessern und nicht danach zu trachten, mehr Studienplätze zu schaffen, überzeugen konnte.“