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RÜCKBLICK Enquete: Arbeitsplatz Spital - Wie die Jungen künftig arbeiten wollen

Spannungsfeld Spital

Wie wollen die jungen Ärztinnen und Ärzte jetzt und künftig im Spital arbeiten? Dieser Frage ging eine Enquete der Bundeskurie angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer in Linz nach – eine spannende und wichtige Vorzeige-Veranstaltung im Rückblick.

Draußen trommelte der Regen, drinnen prasselten die Fakten, Folgerungen und Fragen – im atmosphärischen medLOFT der Johannes Kepler Universität Linz (JKU) kam es Anfang Mai zu einem regen Diskurs mit bester Stimmung, sowohl bei den hochkarätigen Referenten als auch im bis auf den letzten Platz besetzen Auditorium. Die Bundeskurie angestellte Ärzte (BKAÄ) der Österreichischen Ärztekammer hatte zur Enquete „Arbeitsplatz Spital – wie die Jungen künftig arbeiten wollen“ geladen und Experten aus Gesundheitspolitik, Zukunftsforschung, Bildung, Spitals- und Personalwesen, aber auch viele junge Ärzte und Studierende waren gekommen, um eines der heißesten aktuellen Themen zu diskutieren.

„Es war und ist höchst an der Zeit, dass man die jungen Kollegen konkret fragt, wie sie in Zukunft wirklich arbeiten wollen und nicht irgendwelche Schreibtischtäter dahinfantasieren lässt, die behaupten ‚das machen wir so, weil es die Jungen so wollen‘. Nein, die Jungen sollen es uns selber sagen, wie sie es wollen. Wir müssen versuchen, das, was wir heute hören, umzusetzen – nur so wird der Arbeitsplatz Österreich für Jungärzte auch weiterhin attraktiv bleiben“, sagte Harald Mayer, Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer.

Bernd Lamprecht, stellvertretender Dekan für Lehre und Studierende der Medizinischen Fakultät der JKU und zugleich Hochschulreferent der Ärztekammer für Oberösterreich, hob ergänzend hervor: „Es ist uns ganz besonders wichtig, uns damit auseinanderzusetzen, wie die Jungen arbeiten wollen – denn das ist die Generation, die das Gesundheitssystem künftig tragen wird. Zu wissen, unter welchen Bedingungen sie ihre Arbeit bestmöglich leisten können, ist für uns entscheidend. Wir wollen sie dabei unterstützen und gemeinsam die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen.“

Work-Life-Balance bis Flexicurity

Auf Basis einer Live-Online-Umfrage wurde die Einstellung der Teilnehmer zu den drei aktuellen Themenfeldern Arbeitszeit, Arbeiten im Spitalsalltag und Ausbildung diskutiert. Die wichtigsten Ergebnisse: Der Wunsch nach einer geregelten Arbeitszeit zwischen 30 und 40 Stunden pro Woche, die optimale Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie der Wunsch nach einer guten Ausbildung. „30 bis 40 Stunden zu arbeiten ist ein legitimer Wunsch, der derzeit leider nicht immer umsetzbar ist“, sagte Michael Sacherer, Präsident der Ärztekammer für Steiermark und Leiter des ÖÄK-Referats für Jungmedizinerinnen und Jungmediziner. Bei der Arbeitszeit müsse aber darauf geachtet werden, dass das aktuelle Lebensmodell respektiert werde – egal ob Teilzeit oder Vollzeit. „Das darf nicht nur am Papier existieren, sondern muss in den jeweiligen Abteilungen auch gelebt werden. Es geht konkret um eine lebensphasenorientierte Arbeitszeit.“

Das unterstrich Cornelia Sitter, Turnusärztin in Steyr und Referentin des ÖÄK-Referats für Jungmedizinerinnen und Jungmediziner: „Es muss die gleiche Wertschätzung für Teilzeit geben, das gilt auch für die Elternkarenz, auch wenn das Väter in Anspruch nehmen. Dadurch dürfen keine Nachteile für die Karriere entstehen.“ Sie betonte auch den großen Wert, den die jungen Ärzte auf ihre Ausbildung legen und wurde dabei auch von Nicole Brunner, Vorsitzende der ÖH-Med Wien, unterstützt. „Es muss die Zeit geschaffen werden, damit Fachärzte ihr Wissen weitergeben können. Ausbildung darf kein ‚Hobby‘ sein“, betonte Sitter.

Der Zukunftsforscher Reinhold Popp, Leiter des Institute for Futures Research in Human Sciences an der Sigmund Freud-Privatuniversität in Wien, betonte, dass man sich heute in einem „Arbeitnehmermarkt“ befinde und die Arbeitgeber mehr denn je gefordert sind, sich um neue Mitarbeiter zu bemühen und ihnen ihr Krankenhaus als Arbeitsplatz schmackhaft zu machen: „Viele sind es gewohnt, sich als Arbeitnehmer beim Arbeitgeber zu bewerben – jetzt ist es umgekehrt. Der Arbeitgeber muss so attraktiv sein, dass der Arbeitnehmer sagt, da will ich arbeiten. Dazu gehört neben dem Gehalt vor allem die Lebensqualität. Und es geht auch ums Arbeitsklima und um eine gewisse Flexibilität, die aber im Einklang mit der beruflichen Sicherheit stehen muss. Dafür hat die Arbeitswissenschaft ein schönes Kunstwort erfunden, nämlich Flexicurity.“

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Fotocredit: Manfred Binder

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