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Resilienz lernen
Wie gut sind Österreichs Spitäler auf Krisen vorbereitet? Zu dieser Frage veranstaltete die Bundeskurie angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer im November 2025 eine hochkarätig besetzte Enquete. Das Ergebnis: Es gibt noch Luft nach oben, weil Krisenpläne vielfach fehlen und automatisierte Abläufe für den Krisenfall noch zu wenig geübt werden.
„Von Krisensituationen überrascht zu werden, darf keine Option sein“, sagte Kim Haas, erste Stellvertreterin des BKAÄ-Obmanns und BKAÄ-Turnusärztevertreterin, und fasste damit treffend das zusammen, was die Expertinnen am Podium – Sylvia Sperandio, Generalmajorin im österreichischen Bundesheer und Leiterin der Direktion 8, Militärisches Gesundheitswesen, Katharina Reich, Generaldirektorin für die Öffentliche Gesundheit und Elisabeth Bräutigam, Vorständin der Landesgesundheitsagentur NÖ – gemeinsam mit dem hochkarätig besetzten Publikum im Presseclub Concordia in Wien ausdiskutiert hatten. Unter anderem waren Sicherheitsberater sowie ärztliche Direktoren und Vertreter der Spitalsträger, Ärztekammern sowie Gesundheitspolitiker aus ganz Österreich der BKAÄ-Einladung zur Diskussion gefolgt.
Üben, vorbereiten, gewappnet sein
Resilienz in unseren Spitälern und damit auch für die Sicherheit Österreichs müsse gelernt und notwendige Vorbereitungen in Logistik, Infrastruktur und Cybersicherheit getroffen werden. Nur durch regelmäßiges Üben von Abläufen im Krisenfall und das Anlegen von konkreten Krisenplänen könne man sich präventiv vor diesen „Überraschungen“ wappnen, die im Spital fatal enden können – egal ob es sich um Terroranschläge, Naturkatastrophen, Blackouts, Cyberattacken oder eine Pandemie handle. „Es muss ja nicht gleich ein Anschlag sein, auch bei einem Wohnhausbrand oder bei einem Zugsunglück kann es sehr viele Verletzte geben. Es geht generell um das wichtige Thema ‚Massenbewältigung in Extremsituationen‘ in unseren Spitälern, dafür müssen wir vorbereitet sein“, so Haas.
Dies gehe nur durch regelmäßiges Üben der Abläufe im Krisenfall, darin war sich die Runde der Expertinnen einig. Sylvia Sperandio verwies in diesem Zusammenhang insbesondere auch auf den Integrierten Sanitätsdienst (ISD) in Österreich, ein organisatorisches Konzept, das die medizinische Versorgung im Katastrophenfall, bei Großschadensereignissen oder im militärischen Bereich sicherstellt. Im ISD werden militärische und zivile Ressourcen verknüpft. Dabei wird Einheitlichkeit in Ausbildung, Logistik und Kommunikation hergestellt. Bei einem Katastropheneinsatz arbeiten Bundesheerärzte und zivile Rettungskräfte sowie Ärzte gemeinsam unter einer Leitung, medizinische Evakuierungen erfolgen nach gemeinsamen Standards und Sanitätsmaterial und Daten werden zentral koordiniert werden. Sperandio: „Wir müssen den integrierten Sanitätsdienst durch zivil-militärische Kooperationen forcieren. Wir sind aktuell auch noch viel zu spezialisiert in der Ärzteschaft, um in Krisen wirklich die Basis bei Massenanfällen abfangen zu können.“
Das gemeinsame Ziel ist es, Resilienz in allen Facetten zu erreichen, um in der Krise standhaft zu bleiben. „Training ist der Schlüssel dazu, beides zu haben – Resilienz im Kopf und Sicherheit bei der jeweiligen Tätigkeit. Dazu gehört auch der Mut, auch die unmöglichsten Szenarien anzudenken, sie treten alle irgendwann ein, die Frage ist nicht ob, sondern wann“, unterstrich auch Katharina Reich. Dazu müsse ein innerklinisches Risikomanagement her, in dem das Thema „Üben“ und das Thema „Simulation“ verbindlich ist.
Auch für Kim Haas ist „üben, üben und üben“ der Schlüssel zur erfolgreichen Krisenbewältigung: „Der Krisenfall muss geübt werden, damit jeder Handgriff sitzt.“ Dazu gehören auch Resilienz-Trainings, diese müsse man für das gesamte medizinische Team im Spital – von der Pflege bis zur Ärzteschaft – implementieren.
Video-Stream: Die Enquete kann in voller Länge unter https://www.youtube.com/live/n8YHXcnvuLo nachgeschaut werden.