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Frauen dürfen eigene Gesundheit nicht vernachlässigen, sagt Kim Haas, neue Leiterin des Referats für Gender-Mainstreaming. Ärztinnen dürfen nicht diskriminiert werden und Gendermedizin sollte noch mehr gefördert werden.
„Frauen dürfen vor lauter Sorge um andere nicht auf sich selbst und auf ihre eigene Gesundheit vergessen. Denn hinausgezögerte Diagnosen können ernsthafte gesundheitliche Folgen haben“, hebt Kim Haas, neue Leiterin des Referats für Gender-Mainstreaming in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), anlässlich des Internationalen Aktionstags für Frauengesundheit am 28. Mai, hervor. Innerhalb der Ärzteschaft habe die Benachteiligung von Frauen keinen Platz und auch in der Medizin müssten geschlechtsspezifische Unterschiede weiterhin Berücksichtigung finden.
Mehr auf die eigene Gesundheit achten
Frauen würden generell dazu tendieren, sich mehr um die anderen Familienmitglieder zu kümmern als um sich selbst. „Dieses Muster hält sich immer noch starr in unserer Gesellschaft, wobei der Grundstein dafür meist schon in der Kindheit gelegt wird: Mädchen werden besonders gerne Puppen geschenkt, später folgen dann die Babysitter-Jobs, und schließlich wird die eigene Familie umsorgt bzw. die ältere Generation gepflegt“. Dieses Fürsorgeverhalten verlange Frauen sehr viel ab und führe oft dazu, dass sie auf sich selbst vergessen. Ruhephasen, Sporteinheiten oder sogar Arzttermine würden dann hintangestellt. „Die eigene Vernachlässigung sollten wir Frauen uns unbedingt abgewöhnen, denn die Folgen können verheerend sein. Verabsäumte Kontrolltermine bei Ärztinnen und Ärzten können eine mögliche Diagnosestellung verzögern und schlimme gesundheitliche Konsequenzen haben“ warnt Haas.
Auch Ärztinnen von Ungleichheit betroffen
Wie man aus Anamneseerhebungen wisse, werde die Gesundheit auch wesentlich vom beruflichen Umfeld beeinflusst. “Das gilt auch für Ärztinnen, die in ihrer Tätigkeit sehr oft mit ungleicher Behandlung zu kämpfen haben“, fordert die Allgemeinmedizinerin mehr Unterstützung für ihre Berufskolleginnen ein. Es sei erschreckend, wie oft in Spitälern toxisches Verhalten, Einschränkungen der Karrierechancen, Machtmissbrauch und auch sexuelle Belästigung zutage treten würden. Diskriminierendes Verhalten vonseiten der Ausbildner und Führungskräfte belaste nicht nur die betroffenen Kolleginnen physisch und psychisch, sondern schwäche jedes Team und schade der gesamten Ärzteschaft. Haas: „Es ist daher an der Zeit aufzuräumen. Ein solches Verhalten hat nirgends einen Platz, aber ganz besonders in unserem Beruf – da muss es Konsequenzen geben!“ Schließlich würden Frauen einen unverzichtbaren Beitrag zur medizinischen Versorgung leisten. Um ihr volles Potenzial entfalten zu können, müssten sie sich an ihrem Arbeitsplatz aber wohl fühlen und dürften keinerlei Ungleichbehandlung ausgesetzt sein.
Forschung und Versorgung weiterhin mehr auf Frauen ausrichten
Auch in der Medizin müssten Frauen und ihre speziellen Bedürfnisse besser abgebildet werden. In den letzten Jahren sei immer deutlicher geworden, dass die bisherige angewandte medizinische Versorgung frauentypische Spezifika zu wenig berücksichtig habe. „Da Studien, Symptome, Dosierungen von Medikamenten und vieles mehr immer auf Männer ausgelegt wurden, war hier ein großer Nachholbedarf vorhanden“, erklärt Haas. Es sei aber erfreulich, dass sowohl die Forschung als auch die klinisch aktiven Kolleginnen und Kollegen dies immer mehr erkennen und sich zunehmend um Verbesserung bemühten. „Wir sehen viele Schritte in die richtige Richtung und danken allen Kolleginnen und Kollegen für ihr Engagement. Wir wollen diesen Tag aber auch als Aufruf zum Handeln nutzen und diesen an alle richten, die sich mit dem Thema noch nicht beschäftigen.“

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Alle Artikel zu e‑Health, erschienen in der ÖÄZ zwischen April 2025 und Mai 2026