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PK „Militärärzte – Einsatz an der Schnittstelle von Medizin und Landesverteidigung“

Militärärzte nehmen eine Schlüsselrolle bei Katastrophenhilfe und militärischer Einsatzbereitschaft ein – aber wie sicher ist unsere Versorgung noch?

„Ob im In- oder Ausland, Katastropheneinsätzen oder die medizinische Versorgung von Soldatinnen und Soldaten – Militärärzte nehmen eine Schlüsselrolle an der Schnittstelle von Medizin, Landesverteidigung und Sicherheit ein“, betonte Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer im Rahmen der Pressekonferenz. Wenn man über Sicherheit spreche, würden viele Menschen zuerst an Soldatinnen und Soldaten denken, an moderne Ausrüstung oder an den Schutz unserer Grenzen. Weniger sichtbar, aber von ebenso zentraler Bedeutung, sei die medizinische Versorgung innerhalb des Bundesheeres. „Die Militärärzte leisten dabei einen unverzichtbaren Beitrag – für die Gesundheit der Soldatinnen und Soldaten, für die Einsatzbereitschaft des Bundesheeres und letztlich auch für die Sicherheit Österreichs. Von besonderer Bedeutung ist ihre Rolle bei Auslandseinsätzen“, sagt Steinhart. Die Leistungen der Militärmedizin reichen aber noch weit über militärische Einsätze hinaus. Immer wieder unterstützt das Bundesheer die zivile Gesellschaft bei außergewöhnlichen Ereignissen wie etwa bei Naturkatastrophen, Hochwasser oder Lawinen. 

Von der Resilienz der Militärärzte lasse sich viel lernen. „Die Österreichische Ärztekammer ist daher aktuell in Gesprächen mit dem Österreichischen Bundesheer, wie spezielle Resilienztrainings für Ärztinnen und Ärzte aussehen könnten und wie solche Inhalte in die ärztliche Aus- und Fortbildung integriert werden könnten“, berichtete Steinhart.

Der Beruf des Militärarztes sei also hochkomplex, abwechslungsreich und mit großer Verantwortung verknüpft. „Das macht das Berufsbild einerseits interessant, andererseits machen es die oft herausfordernden Umstände nicht immer leicht, genügend qualifiziertes Personal zu finden. In der heutigen Zeit ist der Wettbewerb um qualifizierte Ärztinnen und Ärzte ohnehin schon groß. Wenig überraschend haben wir auch in Österreich zu wenig Militärärzte, warnt ganz aktuell das Bundesheer – aktuell sind es rund 170 Personen“, informierte Steinhart. Und der Bedarf an Militärärzten werde sich durch den Aufbauplan 2032+, ein zehnjähriges Investitions- und Modernisierungsprogramm des Österreichischen Bundesheeres, noch vergrößern. 

Ein großes Thema für die Militärärzte sei die zunehmende Spezialisierung der Medizin. „Diese ist im Regelfall sicher sinnvoll, im Krisenfall benötigen wir aber eher Generalisten. Den Trend einer zunehmenden Fragmentierung der Medizin nehmen übrigens auch andere Länder kritisch wahr, so haben die deutschsprachigen Ärzteorganisationen am vergangenen Wochenende im Rahmen der Konsultativtagung in Bayern ein entsprechendes Grundsatzpapier erarbeitet, das sich gegen eine weitere Zersplitterung bestehender Fachgebiete ausspricht“, beschrieb Steinhart.

Seit dem Wintersemester 2022/23 können jedes Jahr bis zu zehn Personen mittels Sondervertrag für 20 Jahre beim Österreichischen Bundesheer als Militärärzte neu aufgenommen werden. Zusätzlich bekommen Studierende des Bundesheeres alle anfallenden Kosten wie die laufenden Studiengebühren erstattet oder auch notwendige Unterkünfte zur Verfügung gestellt. „Derartige Förderungen sind entscheidend, denn die Militärmedizin als attraktives Berufsfeld muss sich weiterentwickeln“, so Steinhart.

Kein Randthema

„Militärmedizin ist kein Randthema des Bundesheeres, sondern ein relevanter Teil der gesamtstaatlichen Krisen- und Gesundheitsvorsorge“, unterstrich Sylvia Sperandio, Heeressanitätsschefin und Leiterin der Direktion 8 - Militärisches Gesundheitswesen: „Aufgrund der sicherheitspolitischen Lage gewinnen Sanitätsdienst, militärmedizinische Planung und ärztliche Krisenkompetenz deutlich an Bedeutung.“

Militärärzte haben ein sehr breites Aufgabenfeld, betonte auch Sperandio. Dieses reiche von der Stellung und Tauglichkeitsbeurteilung, über truppenärztliche Versorgung, Einsatz- und Übungsbetreuung, Notfallmedizin, Katastrophenhilfe, Führungsverantwortung im Sanitätsdienst bis hin zur medizinischen Krisenplanung. „Ihre Entscheidungen betreffen nicht nur einzelne Patientinnen und Patienten, sondern auch die Einsatzfähigkeit ganzer Einheiten“, so Sperandio, die auch die Bedeutung der Stellungsstraße hervorhob: „Die Stellungsstraße ist ein unterschätzter Beitrag zur Volksgesundheit. In diesem Alter können gesundheitliche Auffälligkeiten sichtbar werden, die sonst möglicherweise lange unerkannt bleiben. Gleichzeitig entscheidet die Tauglichkeitsbeurteilung über einen Teil der künftigen Personalbasis der Landesverteidigung.“ 

Auch die truppenärztliche Aufgabe sei erheblich. Grundwehrdiener sind aufgrund des Heeresgebührengesetzes über das Bundesheer versorgt. Damit trage das Bundesheer für diese Gruppe eine unmittelbare medizinische Versorgungsverantwortung.

„Milizärzte sind ein großes Asset für das Gesundheitssystem und die Krisenvorsorge“, strich Sperandio hervor. Denn sie verbinden zwei Kompetenzen: die medizinische Erfahrung aus dem zivilen System und gleichzeitig das Verständnis für militärische Abläufe, Führung und Einsatzlogik. „Problematisch ist, dass Milizärzte oft nicht ausreichend oder nicht planbar für die Krisenplanung des Bundesheeres genutzt werden können.“

Sperandios Appell lautete: „Es fehlt Personal — nicht nur bei den Militärärzten, sondern auch in der Miliz.“ Hier müsse dringend angesetzt werden – die öffentliche Schaffung eines Problembewusstseins könne hier nur der erste Schritt sein.

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Foto Credit: ÖÄK/Thomas Jantzen


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