null PK ÖÄK-Spitalsärztebefragung: Arbeiten am Limit

Spitalsärzte haben viel Freude an ihrer Arbeit, arbeiten aber unter starkem Zeitdruck und sind mit viel Gewalt konfrontiert.

Sie arbeiten im Durchschnitt 47 Stunden pro Woche, ihre Wunscharbeitszeit liegt aber bei durchschnittlich 38 Stunden. Das ist ein Teil der Ergebnisse der aktuellen ÖÄK-Befragung von Spitalsärzten in Österreich. Damit zeigt die Arbeitszeitreduktion ihre Wirkung. Aus Sicht des Patientenschutzes eine erste positive Bilanz: „Wer will schon von einem völlig überarbeiteten und müden Arzt operiert werden?“, sagt Harald Mayer, Kurienobmann der angestellten Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer. Leider sei die Freude aber nicht ungetrübt: „Es kann nicht sein, dass die Arbeitszeit zwar endlich reduziert wurde, die daraus entstandene personelle Lücke aber von Spitalsträgern weiter ignoriert wird“, kritisiert er. Der akute Personalmangel in den Krankenhäusern wird in der aktuellen Umfrage einmal mehr bestätigt. Neben einem steigenden Zeitdruck und mehr Ambulanzfällen gehören die knappen Personalressourcen für die Studienteilnehmer zu den am stärksten wahrgenommen, gravierenden Problemen. Alarmierend ist auch das Ergebnis, dass mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer die Arbeit im Krankenhaus in den vergangenen fünf Jahren als unangenehmer empfindet.

Dokumentationsassistenten notwendig

Aus Sicht der Österreichischen Ärztekammer ist es daher dringend notwendig, die Spitäler zu entlasten, insbesondere die Ambulanzen. Eine Möglichkeit ist der Ausbau von freiberuflichen Strukturen in bzw. in der Nähe von Krankenhäusern, wie etwa durch allgemeinmedizinische Akutordinationen. „Patienten, die keine Notfälle sind, sollten zuerst Arztpraxen aufsuchen und nicht sofort ins Spital gehen“, sagt Mayer. Das würde auch die Wartezeiten reduzieren. Der ÖÄK-Vizepräsident appelliert an die zukünftige Regierung, entsprechende finanzielle Mittel freizugeben. „Einerseits benötigen wir die Übernahme von viel mehr Leistungen durch freiberufliche Ärzte, andererseits muss endlich eine ausreichende Personalplanung mit notwendiger Aufstockung in den überlasteten Spitälern umgesetzt werden“, sagt Mayer.

Seit vielen Jahren wird das Ausmaß an bürokratischen Aufgaben, die von Ärztinnen und Ärzten im Spital erledigt werden, von der Österreichischen Ärztekammer kritisiert. Die aktuellen Daten zeigen, dass sich vielerorts an der Situation nicht viel verändert hat. „Es fehlen flächendeckende Dokumentations-Assistenten, die Spitalsärzte administrativ, und zwar rund um die Uhr, unterstützen“, sagt Mayer. Nur 58 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit entfallen tatsächlich auf ärztliche Tätigkeit, 37 Prozent auf Administration und fünf Prozent auf Forschung und Lehre. Auffallend ist, dass Bürokratie besonders bei Ärzten in Ausbildung zum Allgemeinmediziner bzw. in der Basisausbildung mit 48 bzw. 44 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Teil der Arbeitszeit ausmacht.

Gewalt im Spital

Würden die Ambulanzen entlastet und die Wartezeiten reduziert werden, würde das auch helfen, ein weiteres Problem besser in den Griff zu bekommen: Zum ersten Mal wurden die Spitalsärzte nämlich nach ihren Erfahrungen in Bezug auf Gewalt am Arbeitsplatz gefragt. Die Ergebnisse sind alarmierend: 71 Prozent der Studienteilnehmer wurden mit verbaler Gewalt konfrontiert, 25 Prozent gaben an, physische Gewalt im Spital erlebt zu haben, mit einer Waffe bedroht wurden sechs Prozent der Studienteilnehmer. „Glücklicherweise hat die Politik auf das Problem bereits mit dem Gewaltschutzpaket reagiert, das allein wird allerdings nicht reichen. Die Spitalsträger sind dazu aufgerufen, umfassende Sicherheitskonzepte zu entwickeln“, sagt Mayer.

Insgesamt bestätigen die aktuellen Daten, dass einige Rahmenbedingungen im Spital dringend verbessert werden müssten, um weiterhin die bestmögliche Patientenversorgung in Österreich zu gewährleisten. „Die Politik ist gefordert, Maßnahmen zu setzen, damit die Freude an der Arbeit, die bislang stärkste Motivation für die berufliche Tätigkeit, bei Spitalsärzten nicht erlischt“, sagt Mayer.

Unterlagen

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Fotocredit: ÖÄK/Bernhard Noll

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