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RÜCKBLICK Österreichischer Impftag 2024

Spannender Bogen

Beim Österreichischen Impftag, der wieder als hybride Fachtagung über die Bühne gegangen ist, spannte sich der Bogen von neuen Techniken in der Impfkommunikation über Herausforderungen hinsichtlich der Durchimpfungsraten bis hin zu neuen Impfstoffen.

Die Psychologin Cornelia Betsch machte den Start: Sie zeigte in ihrem Vortrag im Rahmen des Österreichischen Impftags 2024 auf, wie skeptische Patienten durch mehr Empathie abgeholt werden können. Man solle nicht auf die einzelnen Argumente eingehen, sondern stattdessen den Kern, die Einstellungswurzel dahinter, erfassen. Die Zahl der unsicheren Menschen und jener, die viele Fragen und Gesprächsbedarf haben, nehme potenziell zu, wodurch auch die Relevanz nach Ärzten als Gesprächspartner steige. Mit Blick auf diese Entwicklung könnte die Künstliche Intelligenz die Arbeit der Ärzte unterstützen und diese entlasten, in der schriftlichen Kommunikation nutzen und perspektivisch beim Training in der Gesprächsführung für skeptische Patienten helfen.

Zu niedrige Durchimpfungsquote


Die Liste der diskutierten Themen war facettenreich. Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer, die neben der MedUni Wien, der Österreichischen Akademie der Ärzte und der Österreichischen Apothekerkammer Kooperationspartner beim Österreichischen Impftag ist, zeigte sich angesichts des gespannten Bogens zufrieden: „Neben der Impfkommunikation, der Impfawareness und neuen Impfungen gab es auch genügend Raum für bewährte Impfungen, die leider unter aktuell zu niedrigen Durchimpfungsraten leiden“, sagt ist. So sei beispielsweise die Zahl der Masernfälle stark gestiegen, obwohl die Masern mit einer hohen Durchimpfungsrate zurückgedrängt werden könnten – europaweit hat es 2023 nur in Rumänien mehr Masernfälle gegeben als in Österreich. In den USA sei es hingegen gelungen, die Masern fast auszurotten: „Aber in einem kleinen Land wie Österreich verzeichnen wir steigende Fälle, obwohl das nicht sein müsste“, sagt Schmitzberger. Auch die Fälle von Pertussis seien steigend: „Die Pertussis-Impfung sollte jedenfalls vor Schulantritt aufgefrischt werden“, rät Schmitzberger. So ließen sich Ausbrüche vermeiden, denn ein Pertussis-Patient stecke im Durchschnitt 17 andere Ungeimpfte an – und diese langwierige Erkrankung treffe ebenso Erwachsene: „Der Impfstatus sollte daher regelmäßig, etwa im Rahmen der jährlichen Vorsorgeuntersuchung, geprüft werden“, sagt der Impfexperte.

Wesentliche Säule der Vorsorgemedizin

Neu sei die RSV-Impfung, die – anders als die Influenza-Impfung – nicht jährlich angepasst werden müsse. RSV sei ein stationäres Virus, das im Unterschied zu Influenza nicht mit Reisetätigkeiten in Zusammenhang stehe, berichtete die Virologin Monika Redlberger-Fritz. Da habe man insbesondere beim Lockdown in Australien beobachten können: Während des Lockdowns wurden keine Fälle von Influenza oder RSV dokumentiert. Als der Lockdown aufgehoben worden sei, aber die Grenzen weiterhin geschlossen blieben, zirkulierte RSV – aber nicht Influenza. Bislang sei das Hauptaugenmerk auf der Erkrankung von Säuglingen und Kleinkindern gelegen, wo ein lebensbedrohlicher Verlauf möglich ist, erzählt Schmitzberger: „Vor allem die Altersgruppe ab 60 Jahren ist aber auch gefährdet.“ Problematisch sei, dass die Impfung relativ teuer sei. Anders bei Influenza, die im kostenfreien österreichischen Impfprogramm gegen Selbstbehalt erstmals bundesweit für alle verfügbar gewesen sei: „Die Impfkampagne geht in die richtige Richtung, Nachholbedarf gibt es aber bei den Bestellungen, der Logistik und dem Verrechnungsmodus. Der für die Erwachsenen eingeführte Selbstbehalt wird den ökonomischen Evaluierungen nicht standhalten und sollte abgeschafft werden“, sagt Schmitzberger: „Ich bin aber optimistisch, dass die Impfungen als wesentliche Säule der Vorsorgemedizin zukünftig noch stärker gefördert werden.“