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RÜCKBLICK BKAÄ-Enquete: Auswirkungen des Tourismus auf die Spitäler

Die Bundeskurie angestellte Ärzte (BKAÄ) der ÖÄK thematisierte das Thema „Auswirkungen des Tourismus auf die Spitäler“ und konnte bei einer Enquete in der Ärztekammer Tirol zahlreiche Interessierte und Experten dafür begeistern. Gemeinsamer Tenor: Der rasante Anstieg des saisonalen Tourismus muss auch Konsequenzen für die Ressourcen und Infrastruktur in der Gesundheitsversorgung haben. 

Druck kommt sehr oft von oben. In diesem Fall kommt der Druck vom Berg – und er drückt mit voller Wucht auf die Gesundheitsversorgung in jenen Regionen, in denen der saisonale Alpintourismus in den vergangenen Jahren rasant zugenommen hat. Die BKAÄ versammelte bei einer Enquete in Innsbruck zahlreiche Expertinnen und Experten zu diesem Thema, um insbesondere am Beispiel Tirol die Probleme anzusprechen und Lösungen zu diskutieren.

Problem Nummer eins war schnell erkannt: Die Spitalsambulanzen sind insbesondere in der Skisaison am Limit. Zwar ist, wie es Thomas Herz, Leiter der Abteilungsleiter Orthopädie und Traumatologie im BKH Kufstein formulierte, „die Versorgung in unseren Spitälern für die normale Belastung auch im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt und kompetitiv“, aber insbesondere der Ski-Tagestourismus sorge für Nadelstiche im System. Auch Alois Schranz, Mitbegründer von medalp, unterstrich, dass man es in der Versorgung auch zu saisonalen Spitzen „immer irgendwie schaffe, obwohl wir regional die 10-fache Infrastruktur vorhalten müssen“. Dazu bedürfe es auch in Zukunft einer optimalen Zusammenarbeit zwischen niedergelassenem Bereich und Spitalsbereich. Das ist auch notwendig, um das System am Laufen zu halten: So verwies der Tiroler Ärztekammer-Präsident Stefan Kastner in seiner Begrüßung darauf, dass es zum Beispiel in den Bezirken Landeck und Imst mehr Gästebetten als Einwohner gibt (107.854 zu 109.000). Und auch Schranz betonte, dass das Land Tirol während der Skisaison um rund 50 Prozent mehr Menschen infrastrukturell zu versorgen hat – und nicht nur, was die Spitäler betrifft. 

Auf das Spitalspersonal achtgeben 

„Das alles funktioniert nur, wenn immer jemand da ist, der die Arbeit macht – das betrifft vor allem das Personal in den Spitälern. Denn egal ob Skisaison im Winter oder Wandertourismus im Sommer oder außerordentliche sportliche Großevents wie zuletzt der Trail Run, die noch dazu kommen – die Grundversorgung für die regionale Bevölkerung bleibt unverändert wichtig.  Wenn etwas passiert, wird erwartet, dass es funktioniert. Denn wir werden Gäste verlieren, wenn die Bergrettung und die Spitäler nicht funktionieren“, betonte BKAÄ-Daniel von Langen, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer. Er ergänzte: „Wir müssen auf die Menschen, die im Spital arbeiten, achtgeben. Die Überlastung ist keine Gefahr mehr, sie ist real. Wenn man 24-Stunden-Dienste machen muss und weiß, ‚heute werde ich nicht schlafen‘, dann ist das ein anderes Herangehen. Wir müssen Dienstzeitenregelungen überdenken und wir müssen darauf schauen, dass Menschen, die in einer Spitalsambulanz arbeiten, ihren Job auch noch länger machen wollen – und diese Last auch dauerhaft aushalten. Dazu gehören Faktoren wie Arbeitszeit, Arbeitsbedingungen, die Möglichkeit, sich auch mal während der Arbeitszeit ausruhen zu können oder Soft Skills und auch der Blick auf die psychische Gesundheit unserer Ärztinnen. Bei Belastungsspitzen kommt das Personal in die Mühle, das muss dauerhaft vermieden werden. Denken wir auch an jene, die die Arbeit erbringen – das sind auch Menschen. Die Gesundheit der Ärztinnen und Ärzte ist ein unglaublich wichtiger Punkt, der oft übersehen wird.“ 

Spitalsplanung inklusive den Faktor Tourismus 

Aus den genannten Gründen müsse die Forderung an die Politik sein, Tourismuszahlen in die Spitalsplanung mit aufzunehmen, das müsse auch im Finanzausgleich und im Strukturplan Gesundheit abgebildet werden. „Was uns fehlen, sind Vorhaltekapazitäten“, monierte von Langen. „Man wird in der Spitalsplanung künftig mehr an diese saisonalen Spitzen denken müssen. Es braucht mehr Ressourcen – insbesondere personell.“ Diese müssten unbedingt geschaffen werden, weil sonst die Versorgungsqualität leide, wie auch Thomas Huber, Landesarzt der Bergrettung Tirol schilderte: „Natürlich gibt es negative Auswirkungen, wenn sich jemand im Bike Park die Wirbelsäule bricht. Diesen Patienten kann ich nicht warten lassen – da müssen andere OPs, und vielleicht auch Einheimische mit weniger schweren Verletzungen, warten.“ 

Faktor Prävention

Auch der Faktor Prävention wurde im Rahmen der Enquete thematisiert. 280 Millionen Beförderungen gebe es jährlich in den Tiroler Bergen, führte Alois Schranz aus, die meisten im alpinen Skibereich. Auch klimatische Veränderungen spielen eine Rolle: Wenn neben der Piste kein Schnee liegt, gibt es dort auch oft schwerere Verletzungen als früher. Huber betonte, dass Bergrettung, Alpenverein und Alpenpolizei längst auf präventive Maßnahmen und Kampagnen setzen: „Die Berge sind kein Freizeitpark und kein Instagram-Set. Wir warnen davor, Aktivitäten in den Bergen zu unterschätzen – egal ob Wetter, Ernährung, Kondition oder Ausrüstung und vor allem die Schwierigkeiten im alpinen Gelände, das sind alles Parameter, die es zu bedenken gilt. Fehlende Tourenplanung, ungeeignete Ausrüstung oder mangelnde alpine Ausbildung führen immer wieder zu gefährlichen Situationen und Rettungseinsätzen.“ Prävention sei zwar eine Binsenweisheit, aber eine, die helfen könne, Unfälle zu vermeiden, unterstrich Schranz. Die Frage sei nur, ob Kampagnen und Warnungen bei den Menschen heutzutage auch ankommen. 

Enquete als YouTube-Video

Die Enquete kann hier in voller Länge kostenlos angeschaut werden.