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PRESSEKONFERENZ

Thema:

Erstmals Online-Bewertung der fachärztlichen Ausbildung

Punktueller Verbesserungsbedarf

 

Teilnehmer:

Dr. Karlheinz Kornhäusl

Stv. Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, Obmann der Bundessektion Turnusärzte

Zeit:

Dienstag, 12.01.2016, 10.30 Uhr
 

Ort:

Österreichische Ärztekammer

Veranstaltungszentrum, 1. Stock, Saal 3

Weihburggasse 10-12

1010 Wien

 

Erstmals Online-Bewertung der fachärztlichen Ausbildung:

Punktueller Verbesserungsbedarf

Im November 2015 wurden die österreichischen Turnusärztinnen und -ärzte in Ausbildung zum Facharzt erstmals via Online-Befragung zur Evaluierung ihrer Ausbildungssituation eingeladen. Die Bewertung zeigt, dass die fachärztliche praktische Ausbildung in den heimischen Spitälern grundsätzlich ganz gut angenommen und bewertet wird. Verbesserungspotenzial ist dennoch gegeben, speziell, was die Ausbildung in manchen Fächern, aber auch einigen Bundesländern betrifft. Auch das Fehlen eines Ausbildungskonzeptes wird bemängelt, ebenso der Umstand, dass die auszubildenden Ärztinnen und Ärzte oft nicht wissen, wer ihr Ausbildungsverantwortlicher ist. Die Entlastung der Ärzteschaft durch Delegation von  Tätigkeiten des mitverantwortlichen Bereiches an das Pflegepersonal wurde ebenfalls als essenziell für einen guten Lernerfolg genannt.

„Die Durchschnittsnote auf der Schulnotenskala liegt mit 2,36 über dem letzten Ergebnis der Evaluierung der Ausbildung in der Allgemeinmedizin. Dennoch gibt es einige wichtige Verbesserungsmöglichkeiten, die wir schleunigst in Angriff nehmen sollten", fasste Karlheinz Kornhäusl, stv. Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundessektion Turnusärzte, die Resultate zusammen.

In diesem Zusammenhang stellte Kornhäusl folgende Forderungen auf:

  • Krankenanstaltenträger müssen gute Ausbildung als eigene Verpflichtung wahrnehmen
  • Zeit- und Personalressourcen für die Ausbildenden
  • Strukturierte Ausbildungsassistenz
  • Qualitätsgesicherte Ausbildung
  • Entlastung von Administrations- und Dokumentationsaufgaben
  • Mehr Zeit für Medizin, mehr Zeit für Wissensvermittlung und -aneignung, mehr Zeit für den Patienten
  • Planung und Planungssicherheit für gesamten Ausbildungsweg/Arztkarriere
  • Aktive Fortbildungsunterstützung durch Freistellung und Kostenübernahme
  • Vertrag auf Ausbildungsdauer
  • Familienfreundliche Maßnahmen (Teilzeit, Kinderbetreuung) für Ausbildungsärzte
  • Entsprechende Entlohnung
  • Fixe Implementierung von „Ausbildungs-Oberärzten"
  • Schaffung von Skill- und Trainingszentren in ganz Österreich

Die Auswertung

Prinzipiell wird die fachärztliche Ausbildung etwas besser beurteilt als die allgemeinmedizinische: 77 Prozent der Befragten geben an, dass die fach- und abteilungsspezifischen Kenntnisse und Fertigkeiten „zur Gänze" bzw. „zu einem großen Teil" vermittelt worden seien. Bei der Evaluierung der allgemeinmedizinischen Ausbildung lag der Anteil derer, die sich gut ausgebildet fühlten, zuletzt bei 38 Prozent.

Doch man müsse dieses Ergebnis insofern bereinigen, als einige Fächer überdurchschnittlich gut abschneiden, während andere deutlich unter dem Durchschnitt liegen. „Das am schlechtesten bewertete Fach, die Neurochirurgie, erhielt die Note 2,60, ist also gerade einmal befriedigend, während das am besten bewertete Fach – Plastische Chirurgie – die Note 1,92 einheimsen konnte", führte Kornhäusl aus. Die Ausbildung in den Fächern Dermatologie, Unfallchirurgie und Orthopädie wird ebenfalls deutlich schlechter bewertet als im Österreichschnitt. Auch die Bewertung nach Bundesländern schwankt deutlich: Oberösterreich schneidet mit 2,06 signifikant besser ab als der Durchschnitt, während die Bewertung für Wien mit 2,76 deutlich unter dem Durchschnitt liegt.

Die Ergebnisse der Evaluierung seien repräsentativ für den aktuellen Status der fachärztlichen Ausbildung in den heimischen Spitälern. Insgesamt wurden 1.392 Fragebögen vollständig ausgefüllt. Derzeit befinden sich rund 4.700 Ärztinnen und Ärzte in Facharztausbildung; die Beteiligungsquote liegt somit bei 30 Prozent. „Die Vorgangsweise war größtenteils ident mit der, die im Zuge der Evaluierung der allgemeinmedizinischen Ausbildung zur Anwendung kam: Die Kolleginnen und Kollegen wurden zum überwiegenden Teil per E-Mail eingeladen und konnten über die Mail direkt zur Online-Befragung gelangen", sagte Kornhäusl. Eine Auswertung einer Abteilung wurde nur vorgenommen, wenn mindestens vier Bewertungen vorlagen.

Fünf entscheidende Faktoren für die Bewertung

Bei der Auswertung haben sich fünf Faktoren herauskristallisiert, die für die Bewertung der Ausbildung und des Lernerfolgs an einer Abteilung entscheidend waren:

  • Die Qualität und Umsetzung eines guten Ausbildungskonzepts
  • Die Rahmenbedingungen für den Ausbildner: genügend Unterstützung durch die Leitung sowie ausreichend Zeit für die Ausbildungsaufgabe
  • Gute Rotationsmöglichkeiten
  • Das Bemühen des Ausbildungsverantwortlichen um die Ausbildung
  • Oftmaliges Feedback durch den Vorgesetzten

Kornhäusl: „Die Prioritäten sind hier ganz klar ersichtlich. Aus der Beantwortung der Fragen lässt sich ablesen, dass beispielsweise ein Ausbildungskonzept sehr hoch bewertet wird. Dort, wo Ausbildungskonzepte vorhanden sind, erhielten sie im Schnitt die Note 2,0, ihre Umsetzung wurde durchschnittlich mit 2,4 bewertet." Allerdings hätten nur 41 Prozent der Befragten angegeben, dass es an ihrer Abteilung ein Ausbildungskonzept gebe. „Das muss sich ändern. Schon bei der Evaluierung der allgemeinmedizinischen Ausbildung hat sich abgezeichnet, dass den Kolleginnen und Kollegen ein durchdachtes, gut umgesetztes Ausbildungskonzept wichtig ist und das Fehlen eines solchen als negativ bewertet wird", betonte Kornhäusl. Auch der richtige Ansprechpartner sei für eine gute Bewertung der Abteilung und den Ausbildungs- bzw. Lernerfolg wichtig. „Dass 31 Prozent der befragten Kolleginnen und Kollegen nicht wissen, wer ihr Ausbildungsverantwortlicher ist, ist ein Schandfleck, den wir beseitigen müssen. Die Bundeskurie hat in einer Resolution Mitte Dezember 2015 daher gefordert, dass in den Spitälern eigene Ausbildungs-Oberärzte eingestellt werden, um diese Situation zu verbessern", so Kornhäusl weiter.

„Die ausbildenden Ärztinnen und Ärzte werden ja grundsätzlich gut bewertet. Die fachliche Kompetenz schneidet mit 1,35 sehr gut ab, auch die didaktische Vermittlung wird mit 1,86 durchaus zufriedenstellend bewertet", führte Kornhäusl aus. Es hapert jedoch an den Rahmenbedingungen für die Ausbildner. Vor allem Zeit und Unterstützung fehlen; Feedback zu ihrer Arbeit erhalten 71 Prozent der auszubildenden Ärztinnen und Ärzte lediglich „hin und wieder" oder „nie". Kornhäusl: „Das deutet auf einen massiven Zeitmangel hin. Dabei wäre das Feedback für die Kolleginnen und Kollegen von großer Bedeutung, spiegelt es doch auch den eigenen Lernerfolg wieder und zeigt Verbesserungsmöglichkeiten auf."

Weiters forderte Kornhäusl ein verpflichtendes Fortbildungsbudget sowie die Schaffung so genannter Skill-Zentren, wie sie in anderen Ländern längst üblich sind und das Üben verschiedener Techniken erlauben. „Österreich könnte dadurch international wettbewerbsfähiger werden", so der Turnusärzte-Sprecher.

Noch immer brennendes Thema: Arbeitsbelastung und Leistungsdichte

Ein weiteres Problem ist der mitverantwortliche Tätigkeitsbereich: 41 Prozent der Befragten gaben an, dass die Tätigkeiten des mitverantwortlichen Bereiches auf Basis des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG) nur teilweise oder gar nicht vom Pflegepersonal übernommen würden. Als Hauptgrund dafür wird ein Mangel an Pflegepersonal gesehen, allerdings spielen auch andere Faktoren wie unzureichende Ausbildung eine Rolle. Kornhäusl: „Auch das sollten wir im Interesse der auszubildenden Kolleginnen und Kollegen, aber auch im Interesse des Pflegepersonals heuer unbedingt in Angriff nehmen. Der mitverantwortliche Tätigkeitsbereich ist klar umrissen; die Träger sind gefordert, für ausreichend gut ausgebildetes Personal zu sorgen, das die Ärzteschaft entlasten und diese Tätigkeiten übernehmen kann."

Nach wie vor sind Arbeitsbelastung und Leistungsdichte ein zentrales Thema. Die Hälfte der Befragten gab an, immer oder meistens länger im regulären Tag-Dienst bleiben zu müssen, um die Arbeit zu erledigen. Knapp ein Drittel (29%) erklärte, dass die Höchstarbeitszeiten und Ruhezeiten nur teilweise oder gar nicht eingehalten werden. Die Gründe liegen für die Betroffenen klar auf der Hand: Personalmangel (72%) und schlechte Organisation (18%). Kornhäusl: „Natürlich spielt hier auch die Work-Life-Balance eine Rolle. Diese wird nur von 43 Prozent als sehr gut oder gut bezeichnet – das ist eine Schraube, an der wir unbedingt drehen müssen."

Daten und Fakten

  • An der Befragung im November 2015 haben 32% aller Ärztinnen und Ärzte in Facharztausbildung teilgenommen. Davon haben lediglich zwei Prozent den Fragebogen nicht vollständig ausgefüllt. Insgesamt lagen 1.392 vollständig auswertbare Fragebögen vor.
  • 92% der Befragten gaben an, Vollzeit zu arbeiten.
  • 95% der befragten Ärztinnen und Ärzte werden noch nach der Ärzteausbildungsordnung (ÄAO) 2006 ausgebildet; fünf Prozent gaben an, sich bereits in der ÄAO 2015 zu befinden.
  • Bewertet wurden 63 Abteilungen und 69 Krankenhäuser. Lediglich sieben Abteilungen weisen eine signifikant schlechtere Bewertung als der jeweilige Bundeslanddurchschnitt auf.
  • Die Frauenquote liegt bei durchschnittlich 55,5%.
  • Die Fragebögen orientieren sich an der seit 2011 durchgeführten Turnus-Evaluierung, wurden allerdings um Fragen spezifisch zur Situation der Facharztausbildung erweitert.
  • Gesamtbewertung der Ausbildungsqualität nach dem Schulnotensystem: 2,36 (Österreich-Durchschnitt). Zum Vergleich: Die Durchschnittsnote bei der Evaluierung der allgemeinmedizinischen Ausbildung liegt bei 2,63.
  • Lernerfolg: 77% gaben an, dass sie die fach- und abteilungsspezifischen Kenntnisse und Fertigkeiten „zur Gänze" bzw. „zu einem großen Teil" vermittelt bekommen.
  • Unterschiede zwischen den Bundesländern: Die Bewertung in Wien ist mit 2,76 statistisch gesehen schlechter und in Oberösterreich mit 2,06 deutlich besser als im Österreich-Durchschnitt.
  • Unterschiede zwischen einzelnen Fächern: Die Ausbildung in den Fächern Dermatologie, Unfallchirurgie und Orthopädie wird signifikant schlechter beurteilt als der Durchschnitt. Am besten schneiden Plastische Chirurgie, Pathologie, Neurologie und Radiologie ab.
  • Wichtigste Faktoren für eine gute Bewertung der Ausbildung:
  • Qualität und Umsetzung eines guten Ausbildungskonzepts
  • Rahmenbedingungen für den Ausbildner: genügend Unterstützung durch die Leitung, ausreichend Zeit für die Ausbildungsaufgabe
  • Gute Rotationsmöglichkeiten
  • Bemühen des Ausbildungsverantwortlichen um die Ausbildung
  • Oftmaliges Feedback durch den Vorgesetzten
  • 41% der Befragten gaben an, dass an ihrer Abteilung ein Ausbildungskonzept existiert; dessen Qualität wird mit 2,0 und die Umsetzung mit 2,4 bewertet.
  • 31% der Befragten wissen nicht, wer ihr Ausbildungsverantwortlicher ist.
  • Wo Ausbildungsverantwortliche bekannt sind, bemühen sie sich für 60% der Befragten „sehr oft" oder „oft" um die Ausbildung.
  • Evaluierungsgespräche finden nur zu 45% in der von der ÄAO 2006 vorgesehenen Häufigkeit statt.
  • Feedback zu ihrer Arbeit durch den Ausbildner erhalten 71% der Befragten „hin und wieder" oder „nie".
  • 41% der Befragten geben an, dass die Tätigkeiten des mitverantwortlichen Tätigkeitsbereichs nur „teilweise" oder „gar nicht" vom Pflegepersonal ausgeführt werden. Als Gründe haben 38% „zu wenig Pflegepersonal" und 28% „durch den Dienstgeber nicht gewünscht" angegeben, 57% haben „weitere Gründe" angekreuzt.

Forderungen der ÖÄK:

  • Krankenanstaltenträger müssen gute Ausbildung als eigene Verpflichtung wahrnehmen
  • Zeit- und Personalressourcen für die Ausbildenden
  • Strukturierte Ausbildungsassistenz
  • Qualitätsgesicherte Ausbildung
  • Entlastung von Administrations- und Dokumentationsaufgaben
  • Mehr Zeit für Medizin, mehr Zeit für Wissensvermittlung und -aneignung, mehr Zeit für den Patienten
  • Planung und Planungssicherheit für gesamten Ausbildungsweg/Arztkarriere
  • Aktive Fortbildungsunterstützung durch Freistellung und Kostenübernahme
  • Vertrag auf Ausbildungsdauer
  • Familienfreundliche Maßnahmen (Teilzeit, Kinderbetreuung) für Ausbildungsärzte
  • Entsprechende Entlohnung
  • Fixe Implementierung von „Ausbildungs-Oberärzten"
  • Schaffung von Skill- und Trainingszentren in ganz Österreich

12.01.2016


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