Niedrigschwelliges Impfangebot für Neun- bis Elfjährige ausbauen. Impfung für Buben stärker in den Vordergrund rücken.
„Die HPV-Impfung schützt hervorragend vor Krebs. Wegen der zu geringen Durchimpfungsraten sind wir aber immer noch nicht am Ziel angekommen, HPV-assoziierte Krebsarten zu eliminieren“, sagt Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats für Impfangelegenheiten in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), im Vorfeld des Welt-HPV-Tages am 4. März. „Da die Impfung im Kindesalter besonders wirksam ist, muss sie für diese Altersgruppe leichter zugänglich gemacht werden. Auch Buben müssen verstärkt als Zielgruppe eingebunden werden.“
Humane Papillomaviren (HPV) sind eine große Gruppe weit verbreiteter Viren, die Frauen und Männer gleichermaßen betreffen. Sie befallen die Haut und die Schleimhäute und werden meist durch sexuellen Kontakt im jungen Erwachsenenalter übertragen. „Während viele Infektionen harmlos sind und von selbst verschwinden, können bestimmte Typen langfristig zu Krebsvorstufen und sogar zu Krebs führen. Zu den HPV-assoziierten Krebserkrankungen zählen neben dem Gebärmutterhalskrebs auch das Vaginal-, Vulva-, Penis- und Analkarzinom sowie bösartige Tumore im Mund- und Rachenraum“, erklärt Schmitzberger.
Die HPV-Impfung zählt nachweislich zu den wirksamsten Maßnahmen der Prävention von HPV-assoziierten Krebsarten und deren Krebsvorstufen. Das Nationale Impfgremium (NIG) empfiehlt die HPV-Impfung u.a. für Mädchen und Buben im Alter von neun bis elf Jahren im Rahmen des kostenlosen Kinderimpfprogramms. „In diesem Alter ist die Immunantwort der Impfung optimal und die Wirkung besonders langanhaltend. Der Schutz erfolgt dann in der Regel vor den ersten sexuellen Kontakten und somit meist vor einem Kontakt mit HPV“, sagt der Impfexperte.
Lücken beim Impfangebot schließen
Leider sei die Durchimpfungsrate in dieser Altersgruppe viel zu niedrig: „Hier gibt es eine Stagnation auf sehr niedrigem Niveau, wenn nicht sogar teilweise einen negativen Trend“. Der Fokus müsse daher auf einen möglichst leichten Zugang zur Impfung für ab Neunjährige gelegt werden. „Die Impfung muss in allen Bundesländern bei niedergelassenen Pädiatern erhältlich sein und auch an den Schulen müssen die Lücken beim Impfangebot geschlossen werden“, fordert Schmitzberger.
Größere Aufmerksamkeit müsse wie erwähnt auch auf die Impfung für Buben gelegt werden, denn derzeit sei der Unterschied in der Durchimpfungsrate zwischen Mädchen und Buben groß. „Männer können das Virus aber nicht nur übertragen, sondern auch selbst an HPV-bedingten Krebsarten, wie z.B. an Penis- und Analkarzinom, erkranken, oder Genitalwarzen bekommen. Und HPV-assoziierte bösartige Tumore im Mund- und Rachenraum haben in den letzten Jahren vor allem bei Männern deutlich zugenommen“, streicht Schmitzberger hervor.
21- bis 30-Jährige: die zweite kostenlose Teilimpfung bis 30. Juni holen!
Mit der im Juli 2024 gestarteten und mit Ende Juni dieses Jahres auslaufenden kostenlosen HPV-Impfaktion für 21- bis 30-Jährige, der sogenannte „Catch-up“ Impfung, konnte die Durchimpfungsrate in dieser Altersgruppe deutlich erhöht werden, bilanziert Schmitzberger. „Damit der Schutz vollständig ist, sollten sich alle Personen, die ihre erste HPV-Impfung zwischen ihrem 21. und 30. Geburtstag bis spätestens 31. Dezember 2025 erhalten haben, die zweite Teilimpfung bis 30.Juni 2026 holen“, appelliert Schmitzberger, dieses Angebot unbedingt zu nutzen.
Routinemäßige HPV-Tests für über 30-Jährige sinnvoll
Da eine HPV-Infektion erst nach Monaten oder Jahren zu Zellveränderungen führen kann, aus denen sich später Krebsvorstufen und Krebs entwickeln können, sollte bei über 30-jährigen Frauen im Rahmen der jährlichen gynäkologischen Untersuchungen auch ein Test auf HPV standardmäßig durchgeführt und von der Krankenkasse erstattet werden. Derzeit geschehe das nur, wenn der routinemäßige PAP-Abstrich positiv sei. „Das regelmäßige Testen hilft aber, Gebärmutterhalskrebs möglichst früh zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln“, sagt Schmitzberger.